_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 
 

 

 

'Museumgänge'

 

Es gibt Schätze, die zu heben ein wahres Vergnügen ist, denn sie bewahren in sich eine Zeit, als editorische Qualität selbstverständlich war und nicht so selten ist wie heute, und sie zeigen dem Leser eine Inhaltsfülle auf, wie sie mit wenigen Ausnahmen auch nicht mehr anzutreffen ist.

Wie das? Ganz einfach: Weil es an Verlegern in des Wortes Bedeutung fehlt - es gibt sie definitiv nicht mehr, auch nicht nachzuspüren in den kleinsten Verästelungen des Verlagswesens, und es mangelt an fundiertem Wissen seitens der Autorenschaft. Das mag wie eine Anklage klingen, ist es aber nicht, denn die Zeitläufte haben beiden den Garaus gemacht - sofern man Ansprüche an ein Werk zu stellen gewohnt ist.

Wie das? Zeitläufte sind geronnene Geschichte; was vor fünfzig oder achtzig Jahren als Voraussetzung für Qualität galt, hat sich unter dem Einfluß schleichender kultureller Nivellierung zu einer scheußlichen Art von Anspruchsminderung entwickelt. Die Vermassung schreitet fort, und zwar so behende, daß morgen nicht mehr gilt, was heute noch Maßstab war. Das ist keine Einbildung, es ist der augenscheinliche Anblick des Circulus vitiosus wie er sich im Tanz um das Goldene Kalb geriert. Verlegertum kann es sich nicht mehr leisten, verlegerisch zu wirken, dann verkaufte es rein gar nichts mehr.

Die vermassten Ansprüche eines absichtsvoll qualitätsentwöhnten Massenpublikums sind den Sortimentern der Buchhandelsketten gleichwohl heilige Kühe, die werden niemals geopfert werden dürfen, ansonsten der Buchmarkt zusammenbräche. Autoren werden darin apriorisch ausgesondert, wenn sie die auflagenkalkulatorischen Parameter unterschreiten. So stellt sich also jener Teufelskreis dar - ein wirklicher Teufelskreis und kein herbeigezerrter. Wenn Sie als qualitätsbewußter Leser unseres Portals darüber ebenso ins Lamento verfallen, dann bedenken Sie die Gründe dieser hemmungslosen Erosion alles Kulturellen und Künstlerischen. Sie befinden sich inmitten eines seit gut dreißig Jahren währenden Umbruchs, der alle Felder des Gesellschaftlichen mit schlechtem Geschmack und mangelndem Qualitätsbewußtsein überdeckt. So ist es, und so wird es sich noch steigern.

Diese ellenlange Vorrede sehen Sie uns deshalb bitte nach, denn das hier vorgestellte Werk verdient sie als breiten roten Teppich, den wir ihm ausrollen: gerne, voller Begeisterung und pflichtschuldig. Es ist ein Werk von seltener Güte: Museumsgänge betitelt und von einem solch beseligenden Inhalt und einer Reichweite des Wissens, daß man es nicht mehr aus der Hand legen möchte. Der Autor lädt ein zu einem beschwingten Gang - keinem Hürdenlauf enzyklopädischen Wissens - durch die Jahrhunderte, brilliert mit längst verschollenen Details und fächert die verschiedenen Kategorien auf, in die er den Inhalt unterteilt hat. Das Griechische, Römische überwiegt natürlich, wie sollte es wohl anders sein, und so lädt er uns ein, mit ihm als kundigem Führer an der Seite, zum Beispiel den 'Diskuswerfer von Myron' (der ältesten Skulptur der Griechen) zu bestaunen, dann weiter  zu schlendern zum 'Genter Altar der Brüder van Eyck' in den Niederlanden, sodann gen Italien zur 'Madonna mit dem heiligen Sebastian' in Correggio, weiter fort zu Rembrandt, Murillo, Watteau, Defregger und Liebermann...

Dazwischen liegen unzählige Stationen der Erbauung an Bauten, Skulpturen und Gemälden, und dies anders zu benennen hieße, sich dem eigentümlichen Zauber der 'Museumsgänge' zu entziehen. Sie nehmen den Leser einfach nur gefangen durch ihre Aura des sonst vielleicht Niegeschauten, denn was der Autor Hans Löschhorn in dem vom Verlag Velhagen & Klasing 1922 in Leipzig herausgegebenen, rund 290 Seiten umfassenden und mit 273 s/w-Abbildungen nebst acht mehrfarbigen Bildern ausgestatteten Werk 'Museumsgänge' bietet, ist fürwahr kostbar zu nennen: Textlich in höchstem Maße aufschlußreich, stilistisch fabelhaft, von den Abbildungen her herrlich patinabehaftet, daß es fürs Auge eine Labsal ist, und ausstattungsmäßig hochwertig gebunden und von schöner Papierqualität. Also rundum Superlative für etwas, das seinen Platz in jeder Bibliothek unserer kunstinteressierten Leser finden sollte. Eigentlich müßte diese Empfehlung als kategorischer Imperativ verstanden werden, denn solch schönes Werk zu besitzen ist ein Muß! Es bereichert auf beglückende Weise. Die Schatzsuche in Antiquariaten gehört dazu.

 

Schatztruhe Mai 2010 I April I März I Februar I Januar

 

Schatztruhe 2009: Dezember I November I Oktober I September I August I Juli I Juni I Mai I April I März I Januar I Februar

Titel-Übersicht aufrufen

 

 

Schatztruhe 2008: Dezember I November I Oktober I September August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Titel-Übersicht aufrufen

 

Sonderausgabe 2010

Sonderausgabe 2009

Sonderausgabe 2008

 

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale

 

Deutscher-Buchmarkt.de I Buchmarkt-online.net I Buchbesprechungen.net.