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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 

 

 

 

'Was tun Christen wenn sie glauben.'

 

Eine für manche Menschen eher erheiternde Fragen, für andere Grund genug, darüber nachzudenken: Ja, was tun Christen wenn sie glauben? Sie engagieren sich ehrenamtlich, helfen dem Nächsten nach bestem Vermögen - oder sie beginnen Kirche so zu verstehen, daß diese vorrangig politisches Engagement bezeugen und sich - der jüngste Aufruf einer Politikerin bestätigt dies - einmischen solle. Einmischen worin und in welchem Umfange?

Das politische Tagesgeschäft verträgt zwar Populistisches, nicht aber Opportunistisches und schon gar nicht Parteiengezänk, das in die Kanzel getragen wird. Nun mag man einwenden, alles sei Politik und alles sei gesellschaftlich relevant. Solidarität beispielsweise, Gerechtigkeit und Teilen, den Reichen nehmen und den Armen geben. Unter Hinweis auf Jesus Christus, der den Tempel voller Zorn von Geldwechslern und Kaufleuten reinigte, ergäbe sich hierbei eine Gottesschau, die sich ins Gegenteil verkehrte, nämlich zu zwingen statt zu überzeugen. Diesem Ziel rücken Christen immer näher, sofern sie nur selbstgerecht an sich glauben und nicht an den, den sie als ihren Herrn und Retter vor dem Tode preisen und dennoch unsanft mit denen umgehen, die Gott als Inkarnation von Kraft und Herrlichkeit begreifen und gewiß nicht als Meister von Willkür und Zwang.

Friedrich Hebbel kleidete die Apologie Gottes, die seine selbstverliebten Prediger für ihre Zwecke so skandalös uminterpretieren, in diesen Vers: 'Zum Teufel mit eurem ganzen Geschlecht, wenn ich das bin, was ihr von mir glaubt.' Und hier setzt Traugott Giesen mit seinem Buch an und fragt, was tun Christen (eigentlich) wenn sie glauben? Wie faßt sich christlicher Glaube an? Wie wirkt er, wenn er Hand und Fuß bekommt, nicht im Kopf bleibt, nicht im Gesangbuch? Und er kleidet die Antworten nicht in vexierhafte Worte, sondern bietet Klarheit.

Die bedingt beim Leser allerdings Unvoreingenommenheit - sofern er mit seinem Suchen noch nicht zuende ist -, und es bedingt des weiteren - sofern er glaubt und uneigennützig betet -, daß er sich von politisch aktiven Kanzelredern beiderlei Geschlechts nicht tagespolitisch vereinnahmen läßt. Dies vorausgeschickt, denn es ist essentiell für das Verständnis des Buchinhaltes, kann man sich beispielsweise selektiv dem Kapitel Schaffet, denn Gott schafft in euch widmen - und wird sukzessive in die weiteren Kapitel hineingleiten. Ein Kuriosum gewiß, daß sich das Buch mit dem Schlußkapitel zu öffnen beginnt, und das darf man gewiß als Versäumnis des Lektorats bezeichnen, denn Autoren neigen zur Betriebsblindheit.

Was meint also der Autor mit seiner sanften Fragestellung, Nehmen und Geben betreffend?: Seine Antwort ist nicht lebensfremd, sondern lebenserfahren: Nehmen und Geben gelingen, wenn wir uns in einem Netz der Verbundenheit wahrnehmen. Ich und du - wir sind Beschenkte mit so vielen Kräften und Fähigkeiten. Wir leben in einem Netz von Nehmen und Geben. Ich lebe von diesem Netz, aber ich darf und muß auch an diesem Netz knüpfen (...). Und damit erschließt sich alles, was überhaupt dimensionierbar ist in dieser Welt. Dimensionierbar im Sinne von überzeugen, nicht zwingen. Das macht den Unterschied der christlichen Glaubensgemeinschaft zu Politikzirkeln mit ihren monströsen Gestaltungsansprüchen aus.

Wenn der Autor diesen Unterschied in den einzelnen Kapiteln herausarbeit, so dient der einzig und allein der Schärfung der eigenen Wahrnehmung, wie es denn dem Nächsten ergehe. Seelisch, nicht finanziell. Solchen zur verächtlichen Marginalie verkommenen Unterschied bemerken Christen sehr wohl. Christen, nicht sich christlich gerierende, praktisch jedoch parteipolitisch am Nächsten Handelnde.

Wenn der Leser also ein Buch des Inhaltes sucht, welches ihm leises Geleit bietet und zeitlose Orientierung, weil er die verrutschten Maßstäbe in sich selbst zurechtrücken möchte, um endlich seinen Glauben zu straffen, dann sei ihm Traugott Giesens Buch Was tun Christen wenn sie glauben empfohlen, erschienen 1982 im Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn. Es wird ihm auf nur 93 Seiten exakt das bieten, was er vielleicht als immer größeren Mangel in sich spürt: Aus dem Gebet heraus handeln und nicht aus den Forderungen der Welt heraus.

 

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Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

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J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale

 

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