_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 

 

 

 

Über die Dummheit

Seit Gustave le Bons Standardwerk über die Psychologie der Massen (das auch Psychologie der Dummheit hätte betitelt sein können) traten unzählige selbstberufene Strenge in seine Fußstapfen - besser, sie vermuteten, es tun zu können. Nun haben es zu große Schuhe an zu kleinen Füßen so an sich, daß ihr Träger komisch bis dämlich darin ausschaut, besonders wenn er sich anschickt zu rennen. So erging es vielen, und sie verschwanden sehr bald zurecht im Orkus der vom Publikum durchschauten Talentlosen. 1954, also gut siebzig Jahre nach Le Bon, trat ein Autor auf, dessen Oeuvre ihn für dieses Werk legitimiert: Horst Geyer. Das Bücher ihre Schicksale haben und vice versa gilt als feststehend; Geyer indes erlebte unzählige Auflagen. Woran das liegt? Daran, das hier jemand mit profunder Kenntnis vom Leben niederschreibt, was wir alle in einer stillen Minute denken - nämlich daß es in der Welt so zugeht wie in einem Irrenhaus. Geyer rekonstruiert den konstruierten Irrsinn dieser Welt auf sprachlich-stilistisch geschliffene Art und Weise, die den Leser erfreut und ihn Seite für Seite des knapp 400 Seiten starken Buches nicht ermüden läßt. Auf Seite 307 stellt er sodann verdutzt fest, daß es auch einige faktische Vorteile der Dummheit gibt. Ob er sie verinnerlichen wird? Der seziererische Blick des Autors könnte ja auch ihn treffen... Wie dem auch sei, der Beginn der steigerungsfähigen Denkfaulheit vollzieht sich leicher als man denken mag. Geyer zeigt uns, in welche Fallen wir hineintappen, und zwar in selbst aufgestellte Fallen. Eines gilt dennoch: das wir Menschen seltsame Zwitterwesen sind. Einerseits großzügig im Ausleben unserer Vorurteile, andererseits geizig in der Annahme von Vernunft. Und so legen wir das Buch in der Gewißheit aus der Hand, erstens viel hinzugelernt zu haben, zweitens nicht betroffen zu sein von der Philippika des Autors, drittens mit diesem im VMA-Verlag, Wiesbaden, 1954 herausgegebenen Werk unsere Bibliothek bereichert zu haben. Wohl dem, der dort seine Gewissenspiegel in Buchform parat hat!

 

 

Schatztruhe 2011: >Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

 

Schatztruhe 2010: Dezember I November I Oktober I September August  I Juli I Juni I I Mai I April I März I Februar I Januar

 

Schatztruhe 2009: Dezember I November I Oktober I September August I Juli I Juni I Mai I April I März I Januar I Februar

Titel-Übersicht aufrufen

 

 

Schatztruhe 2008: Dezember I November I Oktober I September August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Titel-Übersicht aufrufen

 

Sonderausgabe 2011

Sonderausgabe 2010

Sonderausgabe 2009

Sonderausgabe 2008

 

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale Deutscher-Buchmarkt.de I Buchmarkt-online.net I Buchbesprechungen.net.