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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

Schatztruhe

 

 

 

 

 

'Geistige Werte. Ein Vermächtnis deutscher Philosophie'.

 

Prolog: Was versteht 'man' darunter? Wer und was ist 'man'? Per defintionem ein unbestimmtes Pronomen der 3. Person, im allgemeinen Verständnis umfaßt es heute singularische und pluralische Vorstellungen als Begriff für 'jeder Mensch' oder 'irgendein Mensch'. Damit sind wir dem Kern des Breitenverständnisses nahegekommen: 'Man' will dies und jenes nicht, 'man' möchte dies und jenes doch, 'man' ist dafür oder dagegen, 'man' akzeptiert Symbole mit eigentümlicher semantischer Bedeutung, auch 'Piktogramme' genannt - man man man orientiert sich an 'man'...

Die Verwunderung des des Denkens nicht entwöhnten Individuums (lat. individuum = das Unteilbare) hält sich allerdings in Grenzen, denn es kennt die Ursachen von Vermassung und Erosion des Kulturellen. Sie liegen vor seinen Augen brach, und er nutzt zur Anschaulichmachung das uralte deutsche Sprichwort vom vollen Bauch, der nicht gerne studiert. Das Leben indes nötigt Studierunwillige und Studienabrecher in die Rolle des 'man', denn eine andere Rolle als die des sich dem Altar der Faulheit Opfernden wird er kaum mehr erlangen. Es sei denn, ihm dämmert's irgendwann, daß 'man' sein Leben zu bestimmen beginnt und er zum Getriebenen mutieren würde, gäbe er sich selbst auf.

Solches Aufgeben oder von 'man' gleichgültigem Aufgegebensein reduziert das Verlangen nach geistigen Werten nachhaltig. Geistige Werte, die sich da Wissensbedürfnis- und verlangen, schöpferisches Nachsinnen, philosophisches Reflektieren und materielle Genügsamkeit - aus der Erkenntnis heraus, daß mehr als ein auskömmliches Leben zu lieben zur Studierunwilligkeit führt - buchstabieren. So einfach ist das Grundgerüst aufzubauen möglich, alles andere wird zur euphemistischen Verkürzung und Überdehnung des Anspruches, nicht 'man' sein zu müssen.

Der Herausgeber des hier vorgestellten, im  Otto Reichl Verlag, Berlin, 1915 erschienenen Buches, Max Frischeisen-Köhler, zitiert aus mannigfältigen Quellen von Kant über Herder und Fichte, bis zu Schleiermacher und Schopenhauer, Lotze und Nietzsche; Goethe und Schiller, die Unvermeidlichen, nicht zu vergessen. Wie er dies vermittelt, und zwar mittels kluger, kenntnisreicher Anmerkungen, verdient besondere Beachtung. Dem nicht enzyklopädisch gebildeten Leser erschließt sich hierdurch eine transparente Welt, die nichts mit dem Abgeschottetsein der tradierten Pflichtübungen der Weisheitsliebenden  zu tun hat, also jener, die, wie Schopenhauer sie abfällig benannte, 'von der Philosophie und nicht für sie' leben.

Das macht es dem Leser als Unterscheidungsmerkmal leicht: Welche Substanz hat das, was der Philosoph zur Verwertung in praxi zu sagen weiß, und was das Gefüge, also das Netzwerk geistiger Werte, in concreto bedeutet. Bedeutungsschwere ist nicht identisch mit Inhalten, die, als Werteskala hinterlegt, Orientierung zu bieten haben, nicht nur Binsenweisheiten. Und so erlangt die Zusammenstellung von so konträren Personen wie etwa Fichte und Nietzschen insofern Bedeutung, als der Leser erkennt, das die subjektive Anschauung des Geschauten zwar von anderen subjektiven Anschauungen und Postulaten unterscheidbar ist, hingeggen die Grenzziehung zum 'Unwerten' deutlich und markant erfolgt.

Epilog: Das macht die Beschäftigung mit dem Inhalt dieses Buches so erkenntnisreich, daß es nämlich keine fundamental-konträren Ansichten von ein und derselben Sache, den geistigen Werten, gibt. Wohl aber unterschiedliche Auffassungen zum kürzesten Weg der Anerkennung dorthin. Dem 'man'fixierten Menschen dürfte der jedoch für immer und ewig dunkel und unattraktiv erscheinen. Die Laterne, die ihm leuchtet, könnte er zwar leicht ausborgen, doch die Mühe erscheint ihm zu hoch und der Obolus für einen stimmungsvollen Kauf in keinem Verhältnis zum Aufwand stehend. So applaudiert er weiterhin denen, die exakt wissen, welch ungeheure mentale Gewalt ihre obskurantistischen Lenkungsmaßnahmen haben, die 'man' aber im Glauben lassen, das Sport und Spiele fürs Volk Liebesbeweise ihrer Gönner seien. Es wird daher nur der kluge Leser in den Genuß des hier zur Lektüre empfohlenen Buches gelangen, nicht aber 'man', der es so dringend, gerade auch zum physischem Überleben, benötigte. Mens agitat molem!

 

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