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Welt und Wirkung
Eine
Besonderheit der Literatur zu Beginn der Sechziger Jahre bestand in ihrer
Hinwendung an das tradierte Erzählen im Allgemeinen und in der
literarisch-philosophischen Betrachtung der Welt im Besonderen. Der Nachhall der
Kriegszeit war beiderseits unverkennbar, und es ist, als stünde das Manifest der
ausgezehrten Seele, beispielhaft in Hamsuns Hunger dargestellt, im
Vordergrund aller Reflexionen. So auch der Inhalt des schmalen Bändchens von
Peter Berglar. Auf knapp 180 Seiten umspannt es das Universum der Seele in ihrer
oftmals ohnmächtigen Erwartung einer Antwort auf die Frage, weshalb das alles
hier auf Erden so ist? Der Autor unternimmt erst gar nicht den Versuch der
Erstellung einer Referenzliste großer Geister, sondern artikuliert seine
Zuwendung an den Fragenden in besonderer Weise: Er fragt ihn nämlich, inwieweit
er dem Perfektionsstreben seiner Zeit schon erlegen ist und ob er darin nicht
eine fundamentale Bedrohung seiner Persönlichkeit ausmacht? Der Leser ist
verblüfft, denn das hat er nicht erwartet. Er wollte ja Antworten, keine Fragen
erleben. Und da geschieht das Geheimnisvolle: Er sieht sich plötzlich inmitten
eines Geschehens, welches den Verlust seiner schöpferischen Potenzen
vorantreibt, heute als Bildungskrise euphemisiert. Das Buch datiert jedoch aus
dem Jahre 1961 - fließt denn nicht alles, so lasen wir es bei einem
Philosophen der Antike? Ja, das weiß der Autor und betreibt deshalb die Exegese
des Jetzt nicht als Wissenschaft vom Sein, sondern als funktionale Untersuchung
des menschlichen Geistes, der Seele und beider Erwartungen an das Kommende. Und
so ist der Satz: 'Der Mensch kann wollen, etwas nicht zu wollen; er soll
dieses Nichtwollen wollen, wenn das Wollen offensichtlich zum Untergang des
Wollenden beiträgt' ein Homo-Mensura-Satz, etwas, das Kant schon sagte, eben
nur mit anderen Worten und in anderer Zielsetzung. Bei Berglar finden sich keine
verzopften Endlossätze, er schreibt direkt und ohne Volten. Das macht ihn les-
und auf Anhieb verstehbar. So sollte es sein. Zu fürchten ist nur, daß auch er
wiederum nur jene erreicht, die es ohnehin wissen und sich lediglich bestätigt
sehen wollen. Das ist nichts apriorisch Schlechtes, es entfaltet ja eine
wesentliche Wirkung, nämlich die Verhinderung, das eine weitere Seelenlandschaft
erodiert und erdrutschartig abstürzt. Das war das Anliegen des Autors und wenn
es damit dem Leser nutzte, so ist es gut. Wer kann schon den Lauf der
menschengeschriebenen Geschichte hemmen? Niemand, nicht einmal Denkfaulheit und
Ignoranz. Sie lenken ihn nur in verdammenswerte Bahnen. Und darüber schreibt
Berglar 1961, was fast fünfzig Jahre später gleichsam dieselbe universell
gültige Formel offenlegt. Aus diesem Grunde ist sein Buch lesenwert. Es
transportiert Allgemeingültiges, nichts zeitgeistig Hermetisches. Verlegt wurde
das Buch von Peter Berglar in der Bibliotheca Christiana 1961 in
Bonn.
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Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J.
Michael Baerwald, Berlin.
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