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'Es lebt sich gut mit schönen
Dingen'
Eines jener raren Bücher, die
Wissensvermittlung mit textlicher und optischer Anschaulichkeit verbinden und
hierfür das vertrauliche Du dem Leser anbieten. Eine schöne, gar nicht plumpe
Art, sich dem zu nähern, was die Autorin zu sensibilieren beabsichtigt: den Sinn
für das Schöne, gemeint sind die von uns ausgewählten, kunsthandwerklich
hergestellten Dinge, und dem damit einhergehenden, auswählenden
Kenntnisreichtum.
Das gelingt famos, denn der Untertitel Eine
Unterweisung im guten Geschack fügt der Absicht, latent oder offfen, sich mit
schönen Dingen zu umgeben, die Antriebskräfte hinzu. Die sind erforderlich, denn
Schönheit ist zwar ein individuell ausgeprägtes Empfinden, gleichwohl dient nicht
nur der Goldene Schnitt als konstante Orientierungsmarke. Hinzugefügt das Wissen
um künstlerisches Wachsen einer Idee bis zu deren Verwirklichung, erlischt wie
von selbst die Neigung, sich mit dem Erstbesten zufriedenzugeben. Das Erste und
das Beste zu wollen - so ist die Lesart des Buches zu verstehen.
Die Autorin bietet zeitlose Parameter, die
sich auch an die einfachsten Objekte anlegen lassen, wobei dem handwerklichen
Streben nach Vollendung die ganze Aufmerksamkeit dient. Dem Leser wird es
oftmals zur Genugtuung, wenn er sich umschaut und in seinem häuslichen Umfeld
Dinge mit den Augen streichelt, deren Auswahl ihm instinktiv gelungen sind.
Mehr aber als der Instinkt soll das Wissen um deren Entstehung die nächsten
Erwerbungen lenken - ein in diesem Buch breitenflächig angelegtes Unterfangen,
das in der Tat nicht hoch genug zu bewerten ist.
Die neun Kapitel gliedern sich in
Abhandlungen über Keramik, Porzellan, Glas, Teppiche, Spitzen (sehr seltene
Literatur), Seide, Pelze, Leder und Schmuck. All das begleitet uns in irgendeiner Art
und Weise als etwas Nahes, Persönliches, individuell Bevorzugtes. Was die Autorin,
Ingeborg Heidrich, in dem 1951 (und von zeitloser Aktualität) im
Union Verlag, Stuttgart, herausgebenen Buch an Wissensschätzen ausbreitet,
verdient somit ein summa cum laude. Das Buch ist schon bibliophil zu nennen und wird nur in
ausgewählten Antiquariaten zu finden sein. Ein in Leinen gebundener, editorisch
schön hergerichteter Erwerb, dem man u.a. beim ZVAB
detektivisch nachgehen sollte! Wie überlegen er zeitgenössischen Werken ist,
führt zur zusätzlichen Freude über solche Trouvaille.
Schatztruhe
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Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J.
Michael Baerwald, Berlin.
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