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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

HOMO HAUENSTEINENSIS

oder

 Paraphrasen des menschlichen Elends

 

 

 

 

 

 

 

Immerwährender Prolog

Hauenstein - ein Zeitgenosse, der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks - Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.

 

Veränderungen

 

Man hielt Hauenstein vor, nicht mehr das zu sein, was er vor sechzig Jahren war.

Hauenstein reagierte unwirsch.

«Wie sollte ich? Vor sechzig Jahren war ich zwei Jahre alt! Sie müssen mir in einer so langen Zeit schon ein paar Veränderungen im Aussehen, Ausdrücken und Auftreten zugestehen. Auch der Lebenswandel wandelt sich. Freundschaften werden beendet, Feindschaften werden geschlossen. Das Betragen, das Benehmen, das Verhalten – alles unterliegt diesem Wandel. Aber ich muss gestehen», meinte er schließlich, «dass ich noch viel ungehaltener gewesen wäre, wenn man mir vorgehalten hätte, mich kaum oder gar nicht verändert zu haben. Denn was soll das heißen: Kaum verändert? Nicht verändert? Ist es ein Kompliment? Beileibe nicht. Es ist eine geradezu bösartige, unverschämte, widerliche und unmenschliche Beleidigung. Schließlich gibt es nicht ohne Grund Entwicklungen, die jeder durchstehen muss, Abschnitte und Einschnitte, die unabhängig von Jahren und Zustand, ob man nun will oder nicht, ihre Spuren hinterlassen.»

Er legte die Hände übereinander und war sehr bemüht, sich ein gekränktes Aussehen zu geben.

«Im Übrigen», fuhr er fort, «gehört diese Betrachtungsweise, wenn man nur an die beiden größten Alternativen bedenkt, die unbemerkt und unerwartet über uns kommen, Jugend und Alter, zu den ewigen Zweifelsfällen des Lebens – dichotome Zäsuren», fügte er selbstzufrieden hinzu in der Gewissheit, mit seinem zufälligen Wissen zu brillieren.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur eines Fachmagazins und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse',

 

beide verlegt bei PRINCIPAL