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Immerwährender Prolog
Hauenstein - ein Zeitgenosse,
der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf
Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine
würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken
und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger
Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich
gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen
und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die
gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die
er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose
Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder
anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich
auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge
erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks -
Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.
Erinnerung
Auf die Relativität von Vergangenheit und
Erinnerung angesprochen, ließ Hauenstein seinen ganzen Hader mit der Welt in
einem verdrießlichen Monolog noch einmal Revue passieren:
«Das Gedächtnis, wie es scheint, gibt vielen
Geschehnissen eine andere Dimension. Da ist man schon sehr erstaunt, wenn man
sich eine Angelegenheit in Gedanken verlebendigt, die zehn Jahre zurückliegt -
und verzweifelt fast über die Zeit, die seither vergangen ist. Was hat man nur
damit angefangen? Was alles wurde unternommen? Was alles unterlassen? Ist es
nicht tröstlich, auch einmal an die vielen Dummheiten zu denken, die man
begangen hat, ohne den vollen Preis dafür zahlen zu müssen? Und wie vieles liegt
unbeweint und unbesungen hinter uns? Haben sich diese Begebenheiten schon vor
zwanzig Jahren zugetragen, fühlen wir uns sehr, sehr alt. Geht es gar um fünfzig
Jahre und mehr, glauben wir uns den Zeitgenossen des Mesozoikums zugehörig,
sofern es damals überhaupt schon Menschen gab. Die Wissenschaft bestreitet dies.
Jeder aber, der sich an seine frühen Jahre erinnert, nähert sich dieser
sogenannten Erkenntnis mit berechtigtem Zweifel.»
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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