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Ewiger
Prolog
Hauenstein - ein Zeitgenosse,
der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf
Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine
würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken
und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger
Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich
gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen
und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die
gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die
er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose
Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder
anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich
auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge
erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks -
Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.
Waschzwang - Manus
manum lavat
Von einer grimmigen
Belustigung erfasst, gab sich Hauenstein hygienischen Reflexionen hin.
«Wer seine Hände in
Unschuld wäscht», meinte er, «ist sich noch lange nicht über die Gefahren im
Klaren, die von einem schmutzigen Handtuch zu befürchten sind. Auch die
Gefährdungen, die von der öffentlichen Hand ausgehen, die uns allen so gern und
so oft in die Tasche greift, werden fahrlässig in den Wind geschlagen. Im
Übrigen muss man immer wieder feststellen, dass viele, die ihre Hände in
Unschuld waschen, zuvor andere eingeseift haben. Ob damit allerdings die
allgemeine Wasserverschmutzung zu erklären ist, erscheint mir doch etwas
übertrieben. Im Allgemeinen aber gilt: Man sollte sich öfter die Hände waschen.
Schließlich haben wir alles in der Hand.»
Masse
und Mensch
Die Veranstaltung war gut besucht, und Hauenstein, eingekeilt in eine
kosmopolitische Menge und aufs Äußerste gelangweilt, stellte einige tiefsinnige
Betrachtungen über Mensch und Menschen an.
«Ich hasse Zusammenrottungen aller Art, ganz gleich, ob es sich um
Aufführungen, Ausstellungen, Vorlesungen oder Versteigerungen handelt, ob es um
das Gerenne und Getümmel in Bahnhöfen oder um das Getriebe und Gewimmel vor
Theatergarderoben geht. Des Menschen Drang zum Gedränge ist groß.
Allein diese Einsicht sollte genügen, um aus einem Philanthropen einen
Misanthropen zu machen.
Überhaupt scheint mir, dass wir Menschen eine missratene Gattung sind.
Wenn man bedenkt, dass mancher als Wunschkind geboren wurde, könnte man
verzweifeln. Bestenfalls um ihrer Torheiten willen kann man die Menschen
ertragen.
Wir leben im Gedränge – ohne Kontakt. Einsamkeiten ohne Zahl. Und dabei
gibt es kaum einen, der nicht von seiner Einmaligkeit überzeugt wäre. Denn wer
will schon zur Masse gezählt werden, selbst wenn er mit der Elite nachweislich
nichts zu tun hat? Ein Einzelgänger ist sich selbst genug.
Die zweifelhafte Behauptung, alle Menschen seien Brüder, gemahnt fatal an
Kain und Abel.»
Müde geworden, erschöpft auch vom vielen Sinnen und Sehen, beschloss er,
seine Augen zu schließen und abzuwarten, bis man wieder nach ihm verlangte.
«Eines nur stimmt
versöhnlich», resümierte er, «Und das ist das Gute an der Übervölkerung: die
Menschen kommen sich näher. Allerdings», meinte er abschließend,«Wenn es hier
immer so voll ist, kommt bald keiner mehr her.»
Fragilität
Nachdem Ostendorff sein
Bedauern darüber zum Ausdruck gebracht hatte, dass, wie er sich ausdrückte, kein
noch so kompliziertes Beieinander menschlichen Zusammenseins derart zahlreiche
und zugleich fruchtlose Mutmaßungen freisetze wie die beklagenswerte Folge einer
gescheiterten Beziehung, nickte Hauenstein schwer.
«In der Tat», meinte er.
«Und das, obwohl die halbe Musikbranche, namhafte Teile der Weltliteratur, eine
ungenannte Anzahl von Alkoholdestillateuren und eine ungeahnte Menge von
Therapeuten und Psychologen von der Fragilität der Liebe leben.»
Er schwieg lange, ehe er
fortfuhr¸ und eine gewisse Selbstzufriedenheit verklärte seine Einsicht. «Dass
es unserer Zivilisation allerdings noch nicht gelungen ist, dieses Problem zu
lösen und die erotischen Gefühle dauerhaft in den Herzen der Beteiligten zu
verankern, ist geradezu tröstlich.»
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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