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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

HOMO HAUENSTEINENSIS

oder

 Paraphrasen des menschlichen Elends

 

 

 

 

 

 

 

  Ewiger Prolog

Hauenstein - ein Zeitgenosse, der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks - Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.

 

Über das Alter

Hauenstein, nach seiner Meinung über das Alter befragt, flüchtete sich in die Relativität, indem er das seltsame Phänomen bemühte, mit dem die Menschen gewisse Beobachtungen beurteilen.

«Während alte Männer», dozierte er im Tonfall einer bedeutenden mystischen Verkündigung, «durch die Regelmäßigkeit, mit der sie ihre Kneipe besuchen, eine gewisse Anerkennung genießen und als rüstig und würdig angesehen werden, wird alten Frauen nur ein geringes Ansehen zuteil.

Alte Männer bezeichnet man landläufig als originell, alte Frauen dagegen als schrullig. Denken Sie nur an die nörgelnden, zänkischen, quengeligen und bösartigen zerfurchten Weibsbilder. Oder an die Hausdrachen, Hexenbesen und Scheuerteufel und an die klatschsüchtigen Blaustrümpfe und unerträglichen Schlampen. An

die bigotten, spitznasigen, sittenstrengen und unbemannt verblühten Jungfern, die allzu oft den ortsüblichen Vorstellungen von der äußeren Erscheinung einer Hexe entsprechen. Oder an die geifernden, galligen Schwiegermütter, Sinnbilder des Haders und der Unduldsamkeit – sie alle tragen dazu bei, ihr Geschlecht zu diffamieren.

Und wenn sich je die eine oder andere dazu aufrafft, ein Wirtshaus aufzusuchen, dann nur, um ihren Mann vorzeitig von seinen Freunden zu entfernen und unter Schmäh und Zank nachhause zu geleiten.»

Grüblerisch fügte er hinzu: «Wahrscheinlich sollten die Frauen mehr trinken. Trinken fördert die Geselligkeit. Trinken ist ein Verbrüderungsakt.»

Hauenstein, nachdem er sich aufmerksam zugehört hatte, kam ein kleines, aufblitzendes Lächeln über seine Lippen, das ihn für viele zum Skeptiker stempelte.

«Verbrüderung», sagte er, und es war, als lasse er sich das Wort auf der Zunge zergehen. «Hat man je von einer Verschwisterung gehört? Ist es nicht bezeichnend, dass sogar die Sprache in allem, was Freundschaft und Friedfertigkeit ausmacht, auf maskuline Vokabeln zurückgreift?»

Hauenstein sah, fast triumphierend, in die Runde.

«Frauen», fuhr er fort, offensichtlich war er einer neuen Eingebung erlegen, «Frauen sind zur Freundschaft ungeeignet. Sie bringen es einfach nicht fertig, in trautem Zusammensein einträchtig miteinander zu leben.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur eines Fachmagazins und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse',

 

beide verlegt bei PRINCIPAL