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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

HOMO HAUENSTEINENSIS

oder

 Paraphrasen des menschlichen Elends

 

 

 

 

 

 

 

Immerwährender Prolog

Hauenstein - ein Zeitgenosse, der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks - Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.

 

Redefluss (1)

Was Frau Ebeling angeht, zeigte sich Hauenstein unduldsam.

«Sie hat», sagte er mit maliziösem Lächeln, «den schönsten Mund weit und breit, aber für sie ist die Redefreiheit kein Recht, sondern eine ständige Verpflichtung. Sie redet so viel, dass sie sich gelegentlich selbst ins Wort fällt, ein Fehler, der sich ohne Schwierigkeit und Risiko durch einen operativen Eingriff zügig und endgültig beheben ließe.» In seiner Äußerung lag eine eigentümliche Mäßigung, unter der er die Drohung nur mühsam verheimlichen konnte. «Gewiss: Ihr Wortschatz ist wenig aussagefähig und kaum der Rede wert. Was überrascht, ist der schnelle Umschlag.»

Als man versuchte, ihm, sehr vorsichtig und in sorgsam ausgewählten Worten, ins Gewissen zu reden und darauf aufmerksam machte, dass er sich mit dieser ungehörigen Charakterisierung doch sehr über die Grenzen der Schicklichkeit hinwegsetze, geriet er in Harnisch.

«Was schert mich Wohlanstand und Erhabenheit!» zischte er mit einem emphatischen Beben in der Stimme. «Das landläufige Taktgefühl gebietet, dass man andere ausreden lässt. Ob man allerdings auch zuhören muss, ist nirgendwo festgeschrieben. Deshalb: Verschonen Sie mich mit Ihrer psychologischen Vivisektion. Was ich zu sagen habe, ist überaus notwendig, allein schon im Hinblick auf all jene, die ebenfalls einmal zu Wort kommen wollen. Und soll man nur deshalb von jedem Widerspruch absehen, weil die Dame nichtssagend redet und die Zuhörer vielsagend schweigen? Glauben Sie mir: mit der Wahrheit hinter dem Berg zu halten ist ebenso verwerflich wie die Bescheidenheit zu übertreiben. Deshalb seien wir einmal ehrlich: ganz gleich, ob man ihr ins Wort fällt oder ob es ihr die Sprache verschlägt: tut die Ruhe nicht gut?»

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur eines Fachmagazins und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse',

 

beide verlegt bei PRINCIPAL