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Immerwährender Prolog
Hauenstein - ein Zeitgenosse,
der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf
Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine
würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken
und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger
Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich
gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen
und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die
gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die
er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose
Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder
anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich
auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge
erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks -
Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.
Hauensteins
Bekenntnis
«Die meisten Menschen», sagte Hauenstein,
«haben Grundsätze. Ich dagegen lebe in der Verworrenheit meiner Leidenschaften
als Quell eines ausgezeichneten und nie enttäuschenden Genusses in einer vulgär
gewordenen Welt. Und ich betätige mich noch immer weitab von jener
männlich-vergreisenden, präsenilen Bettflucht, wenngleich ich die erste
Lebenshälfte schon seit einiger Zeit hinter mir habe, so dass die Versuchung nur
noch in Andeutungen und ohne Nachdruck an mich herantritt.
Ich weiß, dass die Welt voller Ereignisse
ist, die ich nur am Rande kennenlerne, und ich habe genügend Erfahrung, mich auf
keine Meinung festlegen zu lassen. Dafür liebe ich den Funkenflug schöpferischen
Geistes, auch wenn er sich zuweilen in den Grenzbereichen des klassischen
Blödsinns bewegt – nicht nur, wenn der innere Schweinehund streunt. Übrigens –
und ohne jede Eitelkeit – eine Begabung, die das Genie ersetzt.»
Mit seiner Auffassung von Leben begibt er
sich in einen bemerkenswerten, bisher aber ziemlich unbemerkten Gegensatz zu
seinen Zeitgenossen. Denn es ist, wie er zu sagen pflegte, verdammt praktisch,
die Menschen nur oberflächlich zu kennen. Da er die Ecken und Kanten seiner
Persönlichkeit als Teil seines natürlichen Charmes ausgab, bezeichneten ihn
viele seiner Bekannten, Gräfin Reventlow zitierend, als eine mit Drachenblut
genährte Mimose. Er selbst hielt sich von allen Äußerungen fern, die dieses
Feindbild ergänzen oder widerlegen konnten, weil er es in jenen seltenen
Augenblicken, in denen er Gewissensforschung betrieb, als überaus schmeichelhaft
empfand, auf eine so elegante Art gefürchtet zu werden. Und als wären das nicht
schon genug Trumpfkarten, war er ein Mann ohne nennenswerte religiöse
Überzeugung. Schließlich hatte er das ruhige Gewissen aller Atheisten und seine
Rechnung mit dem Himmel gemacht. Ausgestattet mit einer ausgeprägten Begabung
zum Nichtstun, alterte er, die Hände in onkelhafter Weise vor dem stattlichen
Bauch verschränkt, im Zigarrenrauch.
Alles in allem: ein Herr voll Gewicht und
Selbstbewusstsein.
Nebenbei bemerkt –
Apropos Standpunkt
Auch bei einer Null kommt es auf den
Standpunkt und Stellenwert an.
Wer eine gute Position hat, kann auf einen
Standpunkt verzichten.
Wenn man mit beiden Beinen auf dem Boden
steht, kommt man nie aus der Hose.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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