_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

HOMO HAUENSTEINENSIS

oder

 Paraphrasen des menschlichen Elends

 

 

 

 

 

 

 

  Ewiger Prolog

Hauenstein - ein Zeitgenosse, der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks - Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.

 

Tierisches

 

«Die Gestik der drei berühmten chinesischen Äffchen ist keineswegs so eindeutig, wie es den Anschein hat», sagte Hauenstein. «Gewiss: der erste bedeckt sich die Augen, um nicht sehen zu müssen. Der zweite hält sich die Ohren zu, um nichts hören zu können. Was aber der dritte tut¸ bleibt völlig unergründlich. Einerseits wird behauptet, er halte sich die Hand vor den Mund, um anzudeuten, wie gefährlich es ist, eine leichtfertige Lippe zu riskieren. Andererseits aber - und davon bin ich eher überzeugt - wäre auch denkbar, dass er nur sein Grinsen verbergen will.»

  

Hauenstein liebte seinen Hund. Die übrige Kreatur war ihm fremd. Lediglich Fischen ließ er, in Maßen, eine gewisse Neigung zukommen, weil ihn, wie Herr Jeh einmal bemerkte, offenbar ihre Schweigsamkeit faszinierte.

«Nicht nur», erwiderte Hauenstein. «Was mich noch mehr zu ihnen hinzieht, ist ihre Unfähigkeit zum Widerspruch.»

Möglicherweise, dachte er für sich, obwohl ihm die Idee eines Aquariums als bürgerliche Dimension überaus zuwider war, sind es auch die gierigen Mundbewegungen, mit denen sie nach Luft und Leben schnappen.

  

Habakuk, Hauensteins Papagei, war gefährdet.

«Dieser gefiederte Schwätzer! Ich werde ihn ermorden», sagte Hauenstein aufgebracht. «Dieses ständige Gekrächze, diese ungehobelten Ausdrücke, diese geistlosen Sprüche - ich muss ihm ein Ende machen.»

«Aber er sagt doch nur, was er hört», versuchte seine Frau zu beschwichtigen.

«Eben», meinte Hauenstein.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

>Dezember 2008 I November I Oktober I September I August I Juli I Juni 2008

Die Reihe wird in lockerer Folge fortgesetzt

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur eines Fachmagazins und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse',

 

beide verlegt bei PRINCIPAL