|
Ewiger
Prolog
Hauenstein - ein Zeitgenosse,
der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf
Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine
würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken
und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger
Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich
gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen
und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die
gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die
er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose
Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder
anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich
auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge
erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks -
Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.
Tierisches
«Die Gestik der drei berühmten
chinesischen Äffchen ist keineswegs so eindeutig, wie es den Anschein hat»,
sagte Hauenstein. «Gewiss: der erste bedeckt sich die Augen, um nicht sehen zu
müssen. Der zweite hält sich die Ohren zu, um nichts hören zu können. Was aber
der dritte tut¸ bleibt völlig unergründlich. Einerseits wird behauptet, er halte
sich die Hand vor den Mund, um anzudeuten, wie gefährlich es ist, eine
leichtfertige Lippe zu riskieren. Andererseits aber - und davon bin ich eher
überzeugt - wäre auch denkbar, dass er nur sein Grinsen verbergen will.»
Hauenstein liebte seinen Hund.
Die übrige Kreatur war ihm fremd. Lediglich Fischen ließ er, in Maßen, eine
gewisse Neigung zukommen, weil ihn, wie Herr Jeh einmal bemerkte, offenbar ihre
Schweigsamkeit faszinierte.
«Nicht nur», erwiderte
Hauenstein. «Was mich noch mehr zu ihnen hinzieht, ist ihre Unfähigkeit zum
Widerspruch.»
Möglicherweise, dachte er für
sich, obwohl ihm die Idee eines Aquariums als bürgerliche Dimension überaus
zuwider war, sind es auch die gierigen Mundbewegungen, mit denen sie nach Luft
und Leben schnappen.
Habakuk, Hauensteins Papagei,
war gefährdet.
«Dieser gefiederte Schwätzer!
Ich werde ihn ermorden», sagte Hauenstein aufgebracht. «Dieses ständige
Gekrächze, diese ungehobelten Ausdrücke, diese geistlosen Sprüche - ich muss ihm
ein Ende machen.»
«Aber er sagt doch nur, was er
hört», versuchte seine Frau zu beschwichtigen.
«Eben», meinte Hauenstein.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
>Dezember 2008 I
November I
Oktober I
September I
August I
Juli I
Juni 2008
Die Reihe wird in
lockerer Folge fortgesetzt
Ihre Meinung zu diesem Text ist
gefragt:
redaktion@deutscher-buchmarkt.de
|