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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

HOMO HAUENSTEINENSIS

oder

 Paraphrasen des menschlichen Elends

 

 

 

 

 

 

 

  Ewiger Prolog

Hauenstein - ein Zeitgenosse, der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks - Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.

 

Über die Frauen

Hauenstein, der in der Unterhaltung seinen Vorrat an traurig weisen Anekdoten und sein Bedauern für das Menschengeschlecht im allgemeinen ausgeschüttet hatte, kam schließlich auch auf die Frauen zu sprechen. «Frauen», sagte er, und man spürte, wie ein epochaler Schmerz in ihm  aufstieg, «sind merkwürdige Wesen. Der Herr muss sie in einer schwarzen Stunde erschaffen haben – Gottes grausames Gericht. Andererseits sind sie dem Auge nicht unangenehm und ohne ihr Gerede dem Ohr nicht unerträglich. Wenn sie auch an Anmut vom Regenbogen weit übertroffen werden und jeder Kanarienvogel sie hinsichtlich der hörbaren Teile in den Schatten stellt - man muss sie einfach gernhaben. Jedenfalls zeitweise und ganz besonders im Hinblick auf die Tatsache, wie sehr den Menschen daran gelegen ist, arterhaltend tätig zu sein, wenn er und sie fleischliches Genügen aneinander finden.» 

Hauensteins Erkenntnis

Das Leben», ist eine einzige Illusion. Die Jugend hegt Hoffnungen, die sich nie erfüllen werden. Und das Alter träumt von Erinnerungen an Ereignisse und Erfolge, die nie stattgefunden haben.»

 Vom Umgang mit dem Unfrieden

«Der häusliche Zank», meinte Hauenstein, «ist geradezu Bestandteil eines gedeihlichen Ehelebens, sofern sich», fuhr er fort, «die Dinge damit wieder auf einen natürlichen, möglicherweise sogar erfreulichen Stand bringen lassen. Für den Mann», fügte er hinzu, « ist bei einer ehelichen Auseinandersetzung eine Niederlage keine ungewohnte Erfahrung. Dennoch sollte man nicht verzagen oder gar den Mut verlieren. Hier empfiehlt sich vielmehr, mit souveräner Gleichgültigkeit der Misslaune der Dame des Hauses zu begegnen. Es sei denn, man leide unter einem hochempfindlichen Talent zum Unglücklichsein. Die Gefahr ist groß. Denn das männliche Naturell neigt dazu, sich in das Unvermeidliche zu fügen.» Hauenstein gönnte sich einen genussvollen Zug aus seiner Zigarre. «Wichtig scheint mir», fuhr er fort, «sofern noch kein bestimmter Ausgang durchgefochten und der weibliche Triumph noch nicht vollkommen ist, herauszufinden, ob sich Madame geneigt zeigt, die Feindseligkeit beizulegen oder wieder aufzunehmen. Denn eine Aussprache, die einer Aussöhnung gleichkäme, hat bisher noch nicht stattgefunden. Hier ist Gespür und Feinfühligkeit gefragt. Und nichts wäre falscher als unangebrachte Aufrichtigkeit, wenn man, wie ich unterstelle, zu Unrecht einer Untat geziehen wird. Mit anderen Worten: Man sollte sich eher den Gewissensqualen eines Meineids hingeben als die Wahrheit einzugestehen. Das bedeutet für uns Männer im gewissen Sinn eine tiefgreifende Umorientierung unseres ethischen Standpunkts – sozusagen eine Gradwanderung. zwischen Szylla und Karibik.»

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

>August 2008 I Juli I Juni 2008

Die Reihe wird in lockerer Folge fortgesetzt

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Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur eines Fachmagazins und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' sowie 'Die Weisheit der Binse',

 

beide verlegt bei PRINCIPAL