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ZeitZerfall
Wie ich die Gegenwart beurteile? Nun, ich
möchte mich davor hüten, zu jenen Geistersehern gezählt zu werden, die überall
und in allem eine Bestätigung für ihre pessimistische Lebenshaltung entdecken.
Gewiss: Politik findet nicht mehr statt seit der Beseitigung der Formen und
Normen der bürgerlichen Gesellschaft, jedenfalls nicht im guten Sinn und im
Hinblick auf das Wohl des Volkes und der Gemeinschaft. Pflichtbewusstsein,
Aufrichtigkeit, Hilfsbereitschaft, Verlässlichkeit, Anstand, Fleiß, Benehmen –
alles ist in Vergessenheit geraten. Die überkommenen Werte zählen nicht mehr. An
ihrer Stelle werden alle gesellschaftlichen Probleme auf ihren Preis und auf
ihre Kosten reduziert und mit Geld zu lösen versucht – seit Menschengedenken die
bewährte Methode, das Volk in sogenannter Freiheit und im Wohlstand degenerieren
zu lassen. Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche, für die moralische Hemmnisse
und ethische Bedenklichkeiten, kulturelles Herkommen und nationale Traditionen
nichts als unwirtschaftliche Belastungen darstellen, die ausgeschaltet,
wenigstens aber minimiert werden müssen, ist so total, dass das individuelle
Glücksverlangen und die vollständige Emanzipation des Einzelnen aus allen
ethischen und religiösen Bindungen jede gegenteilige Spekulation ad absurdum
führen. Dazu kommt die karitative Justiz, die sich nur noch dem Täter, nicht
mehr dem Opfer zuwendet. Wir leben in einer Gesellschaft von Egoisten und
narzisstischen Wichtigtuern», sagte er bitter. «Dazu kommen die neuen
Millionarios übelster Provenienz. Und der Glaube an die Machbarkeit aller Dinge
verringert sogar den Abstand, der den Menschen als Geschöpf von seinem Schöpfer
trennt.
Es ist verdammt schwer geworden, Optimist zu
sein. Ein Trost allerdings bleibt: Je länger die Krise dauert, desto näher rückt
ihr Ende.»
Verantwortlich (c)
für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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