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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kabinett wird Kabarett

Es ist immer wieder der Geschmack am Abgeschmackten, der Politiker gewähren lässt: die unbesonnene Logik, dass das, was von vielen gedacht, gesagt und getan wird, nie und nimmer falsch sein kann, ja allmählich als normal gilt, auch wenn es noch so primitiv und noch so pathologisch ist. Deshalb kann sich ein Politiker jederzeit ungeniert und ungestraft auf diese scheinbare Logik berufen. Denn dümmer als seine Wähler wird er wohl nicht sein. Allein schon die Tatsache, dass sie für ihn  gestimmt haben, macht allemal deutlich, dass sie immer noch sein bisschen einfältiger sind. Dazu kommt, dass er sich selbst so dumm wie seine Zuhörer stellen muss, damit sie glauben, sie seien so gescheit wie er. 

Wichtig ist, dass der Politiker im entscheidenden Augenblick dem jeweiligen Geist der Zeit nicht im Weg steht. Er wird sich in einer Welt der Anpassungen, in der alles, was nicht gemeint und gesagt werden darf, auf die zulässige Verengung des allgemein gültigen Minimalverstands ausgerichtet ist, in seinen Äußerungen auf der Straße der politischen Korrektheit bewegen, die seit langem schon zum Hamsterrad erlaubter Formulierungen und Verurteilungen umgewidmet wurde. Misslich ist nur, wenn er, wie es die Umstände gelegentlich gebieten, versäumt, die Ränder der Beschränkung rechtzeitig zu missachten und über die Stränge des Üblichen zu schlagen. Dann wird er, wie er zerknirscht und mit reuiger Miene versichert, die politische Verantwortung übernehmen. Er hat jedoch durch diesen rhetorischen Opfermut weder um seine ideelle Ausrichtung noch für seine materielle Ausstattung zu fürchten und kann, was seinen Habitus angeht, ohnehin keinen Schaden nehmen, weil ihn niemand zur Rechenschaft zieht. Die Gefahr, dass die Glaubwürdigkeit dabei verloren geht, wird allzu oft und viel zu leicht unter den Tisch gekehrt. Aber auch diese Tatsache, auf die sich seine Vorvorderen noch so viel zugute hielten und derart wertschätzten, dass sie sich stande pede entleibten, bleibt in unseren Tagen unbeachtet. 

Übrigens: Die inhaltsleere Formel von der wahrhaft heroischen Übernahme der politischen Verantwortung ist ebenso fragwürdig wie die Drohung, dass in seiner Partei Köpfe rollen werden. Wer, wenn dies je der Fall sein sollte, würde ihnen nachtrauern? Und wer hat sie bisher bemerkt? Viele Politiker sind ohnehin kopflos, ohne etwas zu vermissen. 

Ungeachtet aller Mahnungen und Warnungen ist und bleibt das uneingestandene Bemühen in allem, was ein Politiker tut oder sagt, den vom Volk gewünschten Denker, Deuter und Lenker zu spielen, ungebrochen. In der Gewissheit, im Sinn der Gemeinschaft zu handeln, kann er dann ganz nach Belieben und gegen jeden Widerstand und alle Widersacher schalten und walten – unbeschwert und unbesorgt, sanftmütig wie der herzensgute Potentat, der sich für die Seinen in Liebe verzehrt, oder blindwütig und schlangenschlau wie der machtgierige Kondottiere, der nichts und niemand neben sich gelten lässt. Das Volk indes, dem Faszinosum der Macht und Amoralität erlegen, wird ihn allemal verehren. 

Ad personam –

Schlimm für Berlusconi: Ausgerechnet zur Zeit der Schweinegrippe verliert er seine Immunität.

 

 

 

  Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

 

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL