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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Denunciare necesse est 

Die Idee macht Mut. Eine begnadete Inspiration! Nicht allein, weil sie eine Perspektive aufzeigt, die mit Zuversicht auf die Zukunft hoffen lässt, sondern weil sie in ihrer bewundernswerten Skrupellosigkeit auch all das beherzigt, was politischen Sachverstand und Weitblick auszeichnet: die unnachgiebige Analyse der Situation und die unerbittliche Dechiffrierung der Mißstände - und aus beidem: was unternommen werden kann, soll und muss, auf dass alles besser werde. Egal, was dabei an Anstand und Sitte vor die Hunde geht.

Endlich! Möchte man der Initiatorin zurufen. Endlich wurde erkannt, was und wo vieles im Argen liegt und wie wir dagegen vorgehen müssen. Weiter so! Mit Mut voran!

Der Plan dazu ist ebenso einfach wie effektiv, obwohl viel Zeit darüber vergehen musste, ehe er entwickelt und vorgelegt werden konnte: Was zu beklagen ist, soll angeklagt werden.

Zeugen sind auszumachen, glaubwürdige Menschen, die trotz oder wegen ihrer Unvolljährigkeit nicht nur beobachten können, sondern auch zu ihren Wahrnehmungen stehen. Denn die Missetaten, um die es geht – der Verkauf von Alkohol und Tabakwaren an Jugendliche – sind nicht länger hinzunehmen. Sie verursachen Gesundheitsschäden und Reparaturkosten in Größenordnungen, die selbst den hartleibigsten Politiker aufhorchen lassen.

Hier gilt es, Abhilfe zu schaffen, Akzente zu setzen und Urteile zu fällen, auf dass die gefährdete Jugend wieder zum rechten und geordneten Leben zurückfinde.

Was liegt da näher, als es dem Verfassungsschutz nachzutun und Gleiche zu Gleichen zu gesellen? Spione und Agenten auszumachen und einzuschleusen, die ihre Beobachtungen sorgsam aufzeichnen und an die Stellen weiterleiten, die es sich zur wohldotierten Pflicht gemacht haben, hier für Ordnung und Moral das Recht zu bemühen? Was oder wen stören dabei die Entgegnungen und Widersprüche, die von uneinsichtigen Bedenkenträgern geäußert werden? Hier geht es schließlich um das Wohl unsere Jugend und damit um das Schicksal unseres Volkes. Deshalb – der Zweck entheiligt die Mittel – dürfen auch keine bloßen Augenblicksentscheidungen getroffen werden. Unabdingbar sind die Perspektiven – für eine wahre, echte, effektive und zukunftsweisende Politik.

Dieses hehre Ziel vor Augen, sollte man auch nicht vor der leidigen Möglichkeit zurückschrecken, dass einige dieser freiwilligen, denunziatorisch begabten und bespitzelungswilligen verdeckten Ermittler die Chance nutzen, Inhalt und Wirkung der rechtswidrigen Genussmittel am eigenen Leib zu nutzen. Aus ebendiesem Grund darf man sich auch nicht mit den bloßen Beobachtungen und Versicherungen der minderjährigen Helfershelfer begnügen. Wichtig ist vielmehr, den für die Beschaffung belastender Materialien zu leistenden Aufgaben eine pädagogische Struktur zu geben und die erarbeiteten Vorkehrungen im Lehrplan festzuhalten. Mit anderen Worten: das legalisierte Denunziantentum in die schulische Pflicht umzusetzen. Hier wirken auf sinnvolle Weise und ohne große Vorschußlorbeeren zu wagen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch erfolgversprechend zwei Ministerien zusammen, die es sich auf den Schild geschrieben haben, der gegenwärtigen und zukünftigen Bedrohung zu begegnen und ein besseres, gesünderes und wohlanständigeres Leben durchzusetzen, in dem kein Jugendlicher, und sei er oder sie auch noch so jung, seine und ihre Spiel- und Schulkameraden mehr zu beschäublen braucht. Dass die minderjährigen Helfershelfer in dieser Beschäftigung möglicherweise ihre Eignung zum später altersunabhängigen Denunziantentum entdecken: Wen stört das heute schon?

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL