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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

Tempus edax rerum

Die Zeit zernagt die Dinge oder Vom Zauber der Vergänglichkeit

 

Nichts ist so sehr geeignet wie eine Ruine, um uns die Vergänglichkeit anschaulich zu machen: sie führt uns die Endlichkeit unseres Seins und unseres Tuns und unserer Werke vor Augen. Die Mischung aus Neugier und Wehmut, die uns beim Anblick eines verfallenen Tempels befällt, ruft ein ganz besonderes Gefühl hervor. Irgendwie strahlt die eigentümliche Romantik des natürlichen Verfalls umgestürzter Säulen mehr Würde aus als eine vollständig erhaltene Basilika.

Die Ruine stellt deshalb keine Anklage gegen die Zerstörung dar, sondern symbolisiert eindrucksvoll und einprägsam die Harmonie zwischen Kultur und Natur mit ihren bröckelnden Mauern, an denen sich die verfilzte Gier der Ranken und Winden und Dickicht und Unkraut emporwuchert - eine einsame Stätte, die schon seit langem den Spinnen, Eulen und Fledermäusen überlassen wurde.

Das gleiche gilt für die Skulpturen auf Mauern und Brücken oder an Gebäuden, die uns seit Jahrhunderten überliefert sind. Sie verfallen, so sehr die Steine auch den Unbilden der Zeit und der Natur getrotzt haben. Die Jahre haben sie zu Aussätzigen gemacht, denen die Nasen wegfaulen und die Ohren abfallen. Selbst die Gesichter der Heiligen sind weggefressen. Ihre Züge wurden zu Grimassen, ohne daß der Herrgott eingegriffen hätte. Zu verödender Verkommenheit verunstaltet und vorwurfsvoll schauen sie zum Himmel empor, der sie so wenig beschützt und behütet.

Die Vergänglichkeit ist unverwüstlich. Ruinen sind geronnene Zeit.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

>Kolumne Mai 2007 I April I März I Februar

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor des Bestsellers 'Das Ei des Damokles', verlegt bei PRINCIPAL