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Weltverbesserer
Was, um alles, heißt: die Welt verbessern? Glauben man im Ernst,
dass dieser Wusch besonders originell ist? Wie viele große Geister haben nicht
schon die ehrbarsten, aber auch verzwicktesten und verrücktesten Betrachtungen
darüber angestellt, wie den Torheiten der Menschen, den Schikanen des Lebens und
dem Stumpfsinn der Systeme und Strukturen beizukommen wäre - vergebens. Denn was
wissen wir überhaupt von der Welt, diesem misslungenen Projekt Gottes, und vom
Sinn, Plan und Zweck, die der Schöpfung innewohnen?
Die Welt verändern, die Welt verbessern gar! Es ist der Übermut
des unfehlbaren Wissens und der unbedachte Glaube an die grundsätzliche
Lösbarkeit der Probleme, die diese unseligen Ambitionen von vornherein zum
Scheitern verurteilen.
Um die Welt zu verändern und zu verbessern, genügt es nicht, das
Böse abzuschaffen. Was wollen, kennen, wissen die arglosen, einfältigen Träumer,
die sich dieses ebenso tollkühne wie törichte Wagnis in ihrer unfreiwilligen
Tugend und maliziösen Ignoranz auf den Schild geschrieben haben? Sie sehen oder
ahnen doch nur die Untaten und Exzesse des Bösen, um daraus ihre Schlüsse zu
ziehen. Alles aber, was den Menschen berührt und bewegt, ist allein durch den
Vergleich gut oder schlecht. Eine gründliche Analyse macht deutlich, dass nur
der Genuss den Kontrast zum Schmerz ausmacht. Aus diesem Grund ist es angezeigt,
den müßigen Anstrengungen zu entsagen, sich dem unaufhaltsamen Verrinnen der
Zeit und dem unbarmherzigen Verfall alles Lebendigen zu ergeben - weil es ganz
einfach unmöglich ist, diesen Bedrohungen zu entfliehen und zu erkennen, dass es
nicht nur um die Tiefe geht, sondern auch um die Abgründe. Doch statt zu
resignieren oder sich der irrationalen Macht des Zorns zu ergeben, sollte man
den Mut aufbringen, den derzeitigen Zuständen und ihren Trivialitäten und
Vulgaritäten, die nur dem Pöbel und der Dummheit eine Zukunft in Aussicht
stellen, den Rücken zu kehren.
Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich mir fast sicher, dass alle
Bemühungen um ein besseres, friedvolles freundliches Dasein in Gegenseitigkeit
den meisten Menschen nicht nur lästig, sondern geradezu unwillkommen wären. Das
Gegenteil, wie ich annehme, scheint vielmehr der Fall: Ein Mensch, der ein neues
Laster entdeckt, selbst wenn dies auch nur unter der Voraussetzung zu genießen
wäre, dass sich dadurch das Leben um ein Drittel verkürzt, erweist der
Menschheit einen wertvolleren Dienst als einer, der einen Zauber erfindet, der
ewige Jugend und immerwährende Gesundheit verspricht. Das hört sich
despektierlich an. Dennoch ist, seit die Welt existiert, an diesem Versuch
unablässig gearbeitet worden. Wenn man der Bibel Glauben schenkt, haben es die
ersten Menschen auf diesem Gebiet auf Anhieb weit gebracht. Nicht nur, weil sie
es wesentlich leichter hatten als unsereiner, auch die Konkurrenz war weniger
groß und die Möglichkeiten unabsehbar. Ihre Leistung auf diesem Gebiet muss man
anerkennen und zähneknirschend einräumen, dass wir ihnen an Fantasie und
Einfallsreichtum gewaltig unterlegen sind.
Im Übrigen sollte man sich mit der Tatsache abfinden, dass vieles
deshalb schon besser wird, weil es ganz einfach nicht schlechter und schlimmer
werden kann.
Verantwortlich (c)
für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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