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Konservativ
Es ist immer wieder
bemerkenswert, wie unbedacht und leichtfertig die Menschen diese Begriffe und
ihre Inhalte handhaben. Zumeist missbraucht man sie als Verleumdung oder sie
werden pejorativ entwertet. Das Schmähwort konservativ ist ein typisches
Beispiel - für die Art, wie man mit Sprache umgeht ebenso wie für die
altväterlische, ewiggestrig Bedeutung, die man ihm zumisst. Wahrscheinlich meint
man, alle überkommenen Formen und Normen auf den Prüfstand stellen zu müssen,
wenn es gilt, das Totschlagvokabular der politisch korrekten Gutmenschen zu
vervollständigen.
Gegen die heutige
Vorstellung, die man mit dem Begriff des Konservativen verbindet, sollte man
entschieden angehen. Denn nichts ist falscher, als auf diese Art und Weise
Menschen zu diffamieren und zu diskreditieren. Mehr noch: es ist völlig
wirklichkeitsfremd, im Konservativen lediglich die Bewahrung und Erhaltung des
Überkommenen, den Mief des Vertrauten zu sehen, wie er von seinen Gegnern
verunglimpft wird.
Tatsächlich ist der Konservative Realist. Er
lebt bewusst und nicht aus der schieren Gewohnheit und in einem Zustand der
Schicksalsergebenheit, sondern steht für unmittelbar spürbare und wirksame
Tatsachen, um vor Beliebigkeit und Formlosigkeit zu schützen.
Der Konservative glaubt an das, was ist und
nicht nur sein soll. Er misstraut bloßen Ideen und schönen Vorsätzen, weil ihm
das Bewahren des Bewährten und Dauernden wichtiger ist als das Ändern um des
Änderns willen und das Ablehnen und Verwerfen, um mit dem sogenannten
Fortschritt mittun zu können. Er verteidigt gewachsene kulturelle Traditionen
und wird nie das Sichere dem bloß Neuen opfern. Er ist vielmehr bemüht, das, was
die Weisheit der Väter erschaffen und zustande gebracht hat, im Vertrauen auf
Vernunft und Verstand vor der Torheit der Enkel zu beschützen und zu bewahren.
Dass er als
autoritärgläubig denunziert und gebrandmarkt, dass seine Skepsis gegenüber
Veränderung als Restauration gleichgesetzt und sein Misstrauen gegen
plebiszitäre Entscheidungen als antidemokratische Reglementierung missdeutet
wird, liegt nicht nur im Zug der Zeit und im extremen Individualismus: Vielmehr
ist die Skepsis, die man ihm entgegenhält, so alt wie das konservative Denken
selbst.
Der Konservative vertraut auf Herkunft und Tradition. Er ist nicht gegen
Reformen, aber er setzt auf Evolution statt Revolution.
Leben ist immer und grundsätzlich zur
Veränderung verpflichtet. Aber ist es die Dauer und das Beständige, auf die wir
bauen und vertrauen. Ohne Orientierung am Gewohnten, am Bekannten und Üblichen
gäbe es keinen Halt, würde die Vielzahl der Eindrücke und der Fortgang der
Geschehnisse verwirren. wären wir der Unsicherheit, der Angst ausgeliefert.
Deshalb setzt der Konservative auf natürliche Entwicklung statt reglementierter
Steuerung, wenn er gewachsene moralische Grundwerte und kulturelle Traditionen
verteidigt, wenn er sich gegen das Andrängen des Neuen, gegen das Strömende und
Flüchtige des Augenblicks wendet und vor falschen Propheten und Projekten,
fragwürdigen Theorien und Perspektiven und unhaltbaren Zielsetzungen warnt. An
diesen Maßstäben gemessen, ist seine Geisteshaltung wesentlich lebensnäher und
lebensbejahender als die überhebliche und geringschätzige Irrationalität seiner
Widersacher, die sich in progressiven Bestrebungen und messianischen
Spekulationen verliert.
Verantwortlich (c)
für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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