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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Politische Verantwortung

 

Wenn nichts mehr geht, greift der Politiker zu einem Allheilmittel, das sich parteiübergreifend offenbar so bewährt hat, dass sich kein Bürger und Wähler – und, um der neuen Terminologie den Geschlechtspuristen Genüge zu tun, selbstverständlich auch keine Bürgerin und Wählerin – draußen im Lande zu hinterfragen wagt, wie dieses einfältige und volksverdummende Beschwichtigungsargument zustandegekommen ist, wer es erfunden hat und was es bedeutet. Umso unbeschwerter lässt es sich handhaben.

Wenn nichts mehr geht, übernimmt der Politiker verdüsternden Blicks und mit dem Brustton heroischer Betroffenheit die politische Verantwortung. Und zwar persönlich. Fälle, in denen die politische Verantwortung nicht persönlich oder gar unpersönlich übernommen wurde, sind bisher nicht bekannt geworden. Wahrscheinlich liegt dies am Überlebenswillen der Akteure, dass man sich ermutigte, eine jahrhundertelang geübte Gepflogenheit aus humanitären Gründen und für die Betroffenen nicht ganz uneigennützig aufzugeben. Denn wenn damals, in früherer Zeit, wo ohnehin alles besser war, ein Versagen, vielleicht auch nur der Verdacht eines Versagens ruchbar wurde, griff der Politiker, militärisch vorgebildet, zur Pistole. Und alles war bereinigt. Insofern bestätigt sich wieder einmal mehr die tiefe Einsicht, dass im Verlauf der Jahre und Jahrhunderte alles schlechter geworden ist.

Wie so vieles, was die Politik belebt und entschuldigt, bleibt auch für diese fragwürdige, wenngleich lebenserhaltende Beteuerung der Autor unbekannt. Wahrscheinlich wollte er nicht ins Gerede kommen.

Interessant allerdings sind die Folgen. Sie bleiben aus. Schließlich hat der Politiker, hinter diesem martialischen Machtspruch getarnt, weder Anstriche in seinen Bezügen noch sonstige Repressalien zu befürchten. Lediglich der Ruf, nun ja, ist etwas lädiert. Wen aber kümmert’s? Im Übrigen sind es ohnehin zumeist die Umstände, die den Misserfolg zu verantworten haben. Das persönliche Versagen bleibt davon ausgenommen.

Eigenartig allerdings berührt die Beschränkung darauf, dass man persönliche und politische Verantwortung offenbar nur dann übernimmt, wenn etwas schief gegangen ist oder schief zu gehen droht. Eigentlich sollte man voraussetzen dürfen, dass politisches Handeln grundsätzlich von Verantwortung getragen wird. Möglicherweise aber ist auch dieses ehedem so selbstverständliche Prinzip der Verschlechterung der Zeiten zum Opfer gefallen.

Dem durchaus diffusen Gesetz, mit dem das Delikt der Volksverhetzung geahndet wird, sollte man durch einen wesentlich klarer definierten Paragraphen gegen Volksverdummung ergänzen.

 

  Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

 

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL