_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein böses Versäumnis

 

So anerkennenswert die Bemühungen und die Gründlichkeit zu bewerten sind, mit denen die Sprachpuristen ihre Ziele verfolgen, um den deutschen Wortschatz von Ausdrücken und Begriffen zu läutern, die zu bedauerlichen Anklängen an die Zeit der nationalsozialistischen Unterdrückung unseres Volkes gemahnen, so irritierend muss es anmuten, dass selbst nach Jahrzehnten der Befreiung noch immer und sogar behördlicherseits mündlich und schriftlich Ausdrücke Verwendung finden, die, wie eindeutig zu belegen ist, den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllen.

Nachdem sich der Gesetzgeber zur Volkserziehung aufgerufen fühlt, wäre es hoch an der Zeit, hier ein für allemal und endgültig auszumerzen, was dem gutmenschlichen Scharfblick und nicht zuletzt der Beurteilung und Verurteilung der Gralshüter eines korrekten Sprachgewissens offensichtlich entgangen ist. Denn diese Unachtsamkeit lediglich zu bedauern oder gar als unbedacht und leichtfertig abzutun, darf nicht genügen. Hier soll und muss, dem mächtigen Zug der Zeit folgend, wenn auch mit bedauerlicher Verspätung Ordnung geschaffen werden, Reinigung im eigentlichen und eindeutigen Sinn des Wortes, um die unselige Begriffsverbindung Führer-Schein durch eine adäquate und unverfängliche Vokabel zu ersetzen – insbesondere in Bezug auf den stetig wachsenden Verkehr auf unseren Straßen, der zukünftig einen ebenso ständig zunehmenden Gebrauch dieses NS-belasteten Begriffs befürchten lässt. Ermutigendes Beispiel für das entschlossene und unnachsichtige Eingreifen der zuständigen Behörden: das strikte Verbot der verfänglichen Kürzel AH, SA oder SS bei den Autokennzeichen in Verbindung mit dem jeweiligen Ortsnamen. Unvorstellbar die Kombination GE beim bayerischen Starnberg: GE-STA. Die Ergänzung zum allzu nahe liegenden PO bedarf keiner besonderen Erwähnung.

Wie gesagt: Es ist höchste Zeit, den Führerschein ein für allemal aus dem Vokabular des neutralen und korrekten Verkehrs in Sprache und Schrift zu verbannen – umso mehr, als es hinreichend adäquate und synonyme Bezeichnungen gibt, die geeignet sind, diesen schmählichen Begriff unmissverständlich zu ersetzen. Aus der Fülle der möglichen Bezeichnungen, die die Eignung, Fähigkeit und Berechtigung zum Bewegen eines Kraftfahrzeugs im öffentlichen Straßenverkehr ausweisen, seien lediglich erwähnt: Fahrausweis, Fahrberechtigung bzw. Lenkberechtigung, Fahrerlaubnis. Der Verfasser, so sehr ihm an der Korrektheit der Sprache und der Bereinigung des Ausdrucks gelegen ist, möchte sich allerdings trotz der Dringlichkeit seines Anliegens der Anmaßung, hier seinerseits einen von ihm bevorzugten Vorschlag vorzubringen, enthalten.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

Kolumne >Juni 2009 I Mai I April I März I Februar I Januar

Kolumnen 2008: Dezember I Oktober I September I August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Kolumnen 2007: Dezember I November I Oktober I September  August 2007 I Juli  Juni I Mai I April  März I Februar

 

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL