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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Über die Gleichgültigkeit

oder

Das geht mich nichts an! Das ist nicht mein Bier!

 

Vielfach dominiert die Maske: der falsche Anschein von Härte, Stärke, Unbeirrbarkeit, den man sich glaubt geben zu müssen, nach dem Gefühl, Bewegung, Teilnahme, Rührung nicht mehr verlangt sind. In Wirklichkeit aber - und glücklicherweise - ist die echte Unnahbarkeit rar gesät und gewiss ebenso selten wie echter Hass und echte Liebe.

Wir leben in einer Zeit, in der die gesellschaftliche Verflechtung des Einzelnen nötiger und bindender ist als je zuvor. Man kennt diese Abhängigkeit, und wo sie nicht direkt bewusst wird, da ist sie dennoch im tiefsten Innern vorhanden. Man weiß, dass keiner allein und niemand nur für sich existieren kann. «Nichts bist du», schrieb die österreichische Erzählerin Marie von Ebner-Eschenbach, «nichts - ohne die anderen. Ähnlich auch der französische Literat und Moralist Marquis de Vauvenargues: «Wer glaubt, auf andere verzichten zu können, wird bald unerträglich.»

Man spürt diese Gegenseitigkeit, in der nur nehmen darf, wer zum Geben bereit ist. Und dennoch gewinnt die Haltung dessen, der sich auf seine eigenen Belange beruft und beschränkt und der behauptet, dieses oder jenes gehe ihn nichts an, mehr und mehr an Raum.

Ist es traurige Ironie, die hier zum Ausdruck kommt? Ist es Unbegreiflichkeit, Unbekümmertheit, Unbedachtsamkeit? Einfach nur Dummheit? Ist es vielleicht ein Rückzug des Individuums auf sich selbst und in sich selbst? Abkehr von der Gesellschaft - weil man spürt, ahnt, weiß, dass man in seiner Schwäche und in seiner Ohnmacht nicht imstande ist, zuzupacken, wo es gilt, zu wirken, zu helfen und zu ändern, Unterstützung zuzusagen oder Übelstände abzustellen?

In den meisten Fällen ist es Gleichgültigkeit, die hier zum Ausdruck kommt und bestenfalls noch nach einer Ausrede und Beschönigung sucht - Gleichgültigkeit, die sich aufs Eigene beruft und beschränkt - und in Wahrheit nur noch sich selbst kennt. In sich nur findet sie ihre Bezüge und Maßstäbe. Was nicht nützt, ist uninteressant, und was uns nicht betrifft, existiert nicht. Gleichgültigkeit. die aus der Trägheit des Herzens wächst, hat ihr eigenes Vokabular: Das geht mich nichts an - das ist nicht mein Bier!

Bequemlichkeit ist Trumpf und die scheinbare Logik ist allzu schnell bei der Hand - von der Berufung auf Steuern zu zahlen, mit denen man sich von allen Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft freizukaufen glaubt, über die Gemeinsamkeit, mit der man darauf hinweist, dass wir alle unsere Sorgen haben, bis zur Resignation, auf die man schließlich abstellt. Marie von Ebner-Eschenbach hat sie formuliert: «Man kann nicht allen helfen! sagt der Engherzige und - hilft keinem.»

Gleichgültigkeit ist eines der größten Übel unserer Zeit - wo immer sie auch anzutreffen ist, Gleichgültigkeit verbreitet Leere, Starre. Untiefe, in die sich nicht zuletzt auch der Gleichgültige verliert. Was aber am bedauerlichsten dabei bleibt, ist die Tatsache, dass Gleichgültigkeit nicht nur tödlich sein kann, als vielmehr die Einsicht, dass sie unnötig ist. Wie sie abgestellt und ausgemerzt werden kann, liegt bei jedem Einzelnen von uns und bei uns allen. Albert Schweitzer hat dazu ein Rezept hinterlassen; «Denk ab und zu, du seist der andere».

 

  Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Dr. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL