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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anreden und Ausreden

 

 Es ist schon eine herbe Art von Diskriminierung - und ein Ärgernis für die Männlichkeit.

Geht man vom Gegensatz „männlich - weiblich“ aus, sollte man konsequenterweise von „Mann“ und „Weib“ sprechen. Stattdessen spricht und schreibt man immer „Mann“ und „Frau“ - ganz allgemein. Verlagert sich die Bezeichnung auf eine höhere Ebene, hat man es mit einem „Herrn“ und einer „Frau“ zu tun. Nicht auszumachen ist, warum man dem „Herrn“ eine „Dame“ zugesellt.

In den Anreden gibt man allerdings der „Frau“ den Vorzug, während man den „Herrn“ ganz einfach und ohne Bedauern unterschlägt - eine Missachtung, der man geschrieben und gesprochen überall begegnet. Beispiel aus der Zeitung: Wenn sich „Frau Merkel, Westerwelle und Schäuble treffen...“ Ungeheuerlich. Warum lässt man nur die „Frau“ gelten und verwehrt den Herren bei dieser Zusammenkunft mit geradezu gebetsmühlenhafter Uneinsicht und widerspenstiger Hartnäckigkeit den „Herrn“? Dass es sich dabei um die Kanzlerin handelt, dürfte diese unterschiedliche Anrede nicht rechtfertigen. Hier handelt es sich nicht um eine Frage der Subordination, sondern um eine unverzeihliche Abwertung der Männlichkeit.

Die bittere Erkenntnis des ratlosen Zeitgenossen: Ein Mann wird immer nur bei seinem Namen genannt, eine Frau wird eindeutiger ausgewiesen und geschlechtskorrekt tituliert: Selbst in der Wiederholung bleibt die Frau „Frau“. Die einzige Genugtuung, die den Männern bleibt, ist die versöhnliche Tatsache, dass es der Weiblichkeit bisher noch nicht gelungen ist, in dieser Polarität dem „Herrn“ die „Dame“ an die Seite zu stellen. Eine derartige Initiative, die darauf abzielte, die „Dame“ als adäquate Anrede durchzusetzen, ist vor dem Bundesverfassungsgericht bereits gescheitert.

Was, so fragt sich der kritische Mithörer und Beobachter, missfällt den Rednern und Schreibern am Maskulinum derart, dass sie es bei ihren Anreden den betroffenen Männern so schnöde vorenthalten und selbst in Todesanzeigen unterschlagen, dass der Verstorbene, unabhängig von seiner Bedeutung und seinen Verdiensten, sich als Herr verabschiedet?

Auch die neusprachliche Differenzierung, die doch so eigenwillige Unterscheidungen wie „Mitbürger und Mitbürgerinnen“ oder „Mitglieder und Mitgliederinnen“ zulässt, ja geradezu erzwingt, kann diese Zurückhaltung nicht wettmachen.

Weitere Fragen bleiben offen: Was macht die Frau, wenn Not am Mann ist?

Und warum einigt man sich nicht gleich auf Herr und Herrin?

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL