_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Resonanz

Betreff: Ihre November-Kolumne „Das Verhängnis der großen Zahl

 

Der Umschlag von Quantität in Qualität  - wie recht Sie haben. Erlauben Sie mir zu diesem bemerkenswerten Phänomen eine Anmerkung:

Es ist überhaupt nicht erforderlich, dass, wie Sie schreiben, die «Quantität zur bedenklichen und bedrohlichen Größe» anwachsen muss, um diesen Effekt zu erzielen. Dazu ein überzeugendes Erlebnis:

Ich wurde vor einiger Zeit von einer Polizeikontrolle bezichtigt, ein Verkehrsdelikt begangen zu haben, weil ich mich ohne um den verursachten Schaden zu kümmern vom Unfallort entfernt hätte. Man warf mir vor, beim Ausparken mit meinem Fahrzeug gegen einen hinter mir parkenden Wagen aufgefahren zu sein.

Ich konnte mir diese Anschuldigung nicht erklären, da ich von einer Kollision weder etwas gehört noch gespürt habe – schon gar nicht von einem Aufprall, der nach den Aussagen der Beamten so heftig gewesen sei, dass der vordere Kotflügel des fremden Autor deutliche Beulen, Kratzer und Schleifspuren aufwies. Ich fühlte mich zu Unrecht angeklagt, da an meinem Fahrzeug nicht das Geringste zu sehen war, was auf einen Aufprall gedeutet hätte. Vergeblich habe ich die beiden Polizisten auf diesen Umstand hingewiesen und mehrfach betont, dass ich für diese Beschädigungen weder einen Anteil noch eine Erklärung hätte. Sie ließen mich unbeachtet und registrierten Unfallort und mutmaßlichen Tathergang. Aus der Überzeugung heraus, völlig unbetroffen und unbeteiligt zu sein, ließ ich es nach langem hin und her auf einen Prozess ankommen, bei dem ich dem Richter meine Sicht der Angelegenheit darlegte. Erfolglos. Ich wurde für schuldig erklärt. Auch hier schlug die Quantität zu meinen Ungunsten um: gegen die fragwürdige Qualität der doppelten Beamten-Aussage hatte ich keine Chance. Es braucht demnach nicht immer die große Zahl zu sein. Zwei Stimmen genügen – sofern sie von der Obrigkeit gedeckt sind.

 

   Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

Kolumne >Januar 2009

Kolumnen 2008: Dezember I Oktober I September I August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Kolumnen 2007: Dezember I November I Oktober I September  August 2007 I Juli  Juni I Mai I April  März I Februar

 

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL