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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Rücken der Bücher

 

Besucht man die einstige Bibliothek der spanischen Herrscher in Madrid, wird man auf eine Besonderheit aufmerksam, die zu denken geben sollte: Die Bücher sind nämlich nicht mit dem Rücken gegen den Betrachter und Benutzer, sondern mit den Schnittflächen und den damals oft üblichen Metallschließen aufgestellt. Da es sich, wie man erfährt, um eine königliche Bibliothek handle, sei es in Gegenwart des Herrschers auch den Büchern, unabhängig von ihrem Inhalt, nicht erlaubt, seiner Majestät den Rücken zuzuwenden - der radikalste Ausdruck dafür, wie weit die Absolutheit einer Person anerkannt werden muss. Man humanisiert die Gegenstände, man gibt den Büchern einen menschlichen Rücken, aber nur, damit sie sich beugen. So souverän auch diese Anordnung ist: sie verrät zugleich die Abhängigkeit von Macht und Geist: Nur wenn man Bücher ernst nimmt, verlangt man, dass sie einem nicht den Rücken zuwenden. Wer allerdings vermutet, dass sich hinter diesen Rücken Ding abspielen, die gefährlich werden können, zwingt sie zur Demut.

Ob Seine Allerkatholischste Majestät, der düstere Denker aus dem Escorial, eines dieser Bücher je gelesen hat? 

Geht man vom Üblichen aus, kehren die Bücher dem Menschen den Rücken zu. Sie geben sich verschlossen und entschlossen, wehrhaft fast darauf bedacht, das ihnen anvertraute Wissen zu hüten und ihr Geheimnis zu wahren. Diskret hüten sie den Geist und die Gedanken, unnachsichtig und unabhängig von Wahrheit, Lüge, Glaube, Hoffnung, der erhabenen Unbetrübbarkeit des Irrtums und der zweifelhaften Unabsehbarkeit ihrer Folgen. Lediglich Umfang und Einband sind erkennbar, geprägt und in kleiner Schrift, geradezu verschämt der Titel, Versuchung und Versprechen, das, einlädt oder abschreckt. Und mit würdevoller Gelassenheit präsentieren sie ihren Inhalt auf makellosem Weiß oder eselsohrig zerfledderten Blättern - ob sie nun von einem guten Menschen oder von einem Bösling herrühren.

Der Rücken der Bücher - eine Phalanx, die neugierig macht. 

Bücher sind Drucksachen

Warnung: Lesen heißt auch Lebenszeit opfern 

Einer der folgenschwersten Druckfehler: das Buch überhaupt zu drucken.

Für manches Buch ist es ein Glück, dass der Nachdruck verboten ist.

Übrigens: Gutenberg hat nicht nur die Drucktechnik, sondern auch den Druckfehler erfunden. 

Kritik: Die Schwäche des Buches liegt nicht in der Anzahl seiner Seiten, sondern in seiner Einseitigkeit.

Ein Roman wie ein Schwert: lang und flach.

Der Rezensent hängt seine Belesenheit wie einen Schal um den Hals. 

Es gibt Bücher, die man sich schenken muss, und Bücher, die man sich schenken kann.

Reiselektüre: ein Buch, das man in einem Zug durchliest. 

Das Risiko beim Lesen: dass man sich eine eigene Meinung bildet.

Manche Bücher kann man nur einem beschränkten Leserkreis anbieten.

Der Irrtum des Lesers unterstellt leichtfertig, dass ein Buch mir derselben Gewissenhaftigkeit geschrieben wurde wie er es liest. 

Bücherwurm? Leseratte? - despektierlich und degoutant.

Buchweizen trägt keine Lesefrüchte. 

Erato ist die Muse der lyrischen Dichtung, nicht die Schutzpatronin der Korrektoren. 

Viele vergilbte Bücher stammen von verblichenen Dichtern. 

Papier ist geduldig. Es lässt sich sogar binden.

Es ist schon ein Unterschied, ob ein Dichter Feuer in seine Verse oder Feuer an seine Verse legt.

Vom Blickpunkt des Buchhändlers aus ist die Bibel ein Dauerbrenner. 

Dichter schöpfen aus Spirituellem oder aus Spirituosen.

Es kommt nicht nur darauf an, dass man von der Muße geküsst wird. Wichtig ist auch wohin. 

Es gibt Gedichte, auf die man sich keinen Vers machen kann.

Wer kann sich schon auf die Achillesferse einen Reim machen? 

Ein ungedruckter Dichter wirkt gedrückt.

Die einen schreiben Satiren, die andern machen sich lächerlich. 

Was die Verlage publizieren, macht neugierig auf das, was sie zurückweisen.

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Ad personam

 

 

Dr. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL