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Forderungen
Politiker fordern - was immer ihnen, wie sie
sagen, am Herzen liegt. Denn schließlich haben sie mit dem Bezug eines
staatlich-stattlichem Salärs und in der Gewissheit eines auskömmlichen Ruhegelds
dem Auftrag ihrer Wähler nachzukommen und letztlich müssen sie ihre
Wahlversprechen einlösen.
Um diese ehrgeizigen Ziele in Tun und Tat
umzusetzen, geben sie sich stets bemüht, der altrömischen Mahnung Folge zu
leisten, weise zu handeln und das Ende zu bedenken.
Sie haben die Herausforderung, Politik zu
betreiben, angenommen und fühlen sich verpflichtet, anzuprangern, was im Argen
liegt, und was angeschafft, abgeschafft, geändert oder gebessert werden muss.
Ihre Berufung und Bestimmung ist es, Mängel und Missstände aufzudecken und mit
Weitsicht Abhilfe zu schaffen - zum Wohl, Gelingen und Gedeihen der Menschen
draußen im Lande.
Um dies bewerkstelligen zu können, werden
diese Entdeckungen und Erkenntnisse als Forderung formuliert. Denn Forderungen
sind heutzutage nicht nur zeitgemäß. Sie wurden geradezu zu einem unerlässlicher
Bestandteil politischen Handelns. Derartig fordernde Anliegen nennt man
gemeinhin Initiativen. Leute, die es ehrlich meinen, sprechen allerdings von
Aktionismus.
Dennoch haben diese Äußerungen ihre
Berechtigung. Sie geben, um es einmal von der positiven Seite anzugehen,
Lebenszeichen, signalisieren Anwesenheit und legitimieren Zuständigkeit -
Weckrufe, die darauf hinweisen, dass die fordernden Damen und Herren trotz ihrer
Schweigsamkeit im Parlament noch unter uns weilen und ihr Amt wahrnehmen.
Jedenfalls verbal und getreu dem verpflichtenden Grundsatz, allzeit demokratisch
zu denken und demoskopisch zu handeln.
Allein diese Aspekte rechtfertigen die
Unentbehrlichkeit und Unerlässlichkeit, Forderungen zu erheben, auszusprechen,
anzuregen, anzumahnen und, mit Dringlichkeit angereichert, einzuklagen und
auszufechten.
Forderungen gehen Regenten und Opponenten
derart leicht von der Zunge und flott über die Lippen, dass sich niemand mehr
die Mühe macht, zu präzisieren, an welchen Adressaten sich diese Forderungen
richten. Sie sind zudem so unverbindlich formuliert, dass sich keiner
angesprochen fühlt.
Dazu kommt, dass Forderungen zumeist ohne die
erforderlichen begleitenden Begründungen vorgebracht werden. Realisierung und
Finanzierung der geforderten Projekte bleiben ebenso unerwähnt wie die möglichen
Folgen und Auswirkungen, die sie anrichten, sollte es je soweit kommen, dass die
vorgebrachten Ideen überhaupt verwirklicht werden.
Insofern bleiben sie ungehört und unerhört.
Auch die Tatsache, dass diese so dringlich vorgebrachten Anliegen
protokollarisch festgehalten werden und jederzeit nachlesbar bleiben, hält weder
die fordernden Damen noch die fordernden Herren davon ab, das oftmals sehr
fragwürdige Ergebnis ihrer weltmännischen und weltweiblichen Gedankenspiele dem
Hohen Haus vorzutragen.
Mit anderen Worten: Forderungen sind nicht
nur modern, sondern auch für den, der sie vorbringt, vollkommen ungefährlich.
Kein Parlamentarier, der sich in Forderungen ausweist und ausweint, braucht sich
wegen eventueller Repressalien sorgenschwere Gedanken zu machen. Wenn die
vorgetragenen Ideen schon kein Gehör finden, wie sollten sie da in Erinnerung
bleiben?
Fazit; Fordern ist cool, lässt aber alle
kalt.
Deshalb meine Forderung, Forderungen
einzustellen.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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