_______________________________________________________________________

 

   

 

         

ANTIQUARIATE

 

 

___  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

___

 

ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Forderungen

 

Politiker fordern - was immer ihnen, wie sie sagen, am Herzen liegt. Denn schließlich haben sie mit dem Bezug eines staatlich-stattlichem Salärs und in der Gewissheit eines auskömmlichen Ruhegelds dem Auftrag ihrer Wähler nachzukommen und letztlich müssen sie ihre Wahlversprechen einlösen.

Um diese ehrgeizigen Ziele in Tun und Tat umzusetzen, geben sie sich stets bemüht, der altrömischen Mahnung Folge zu leisten, weise zu handeln und das Ende zu bedenken.

Sie haben die Herausforderung, Politik zu betreiben, angenommen und fühlen sich verpflichtet, anzuprangern, was im Argen liegt, und was angeschafft, abgeschafft, geändert oder gebessert werden muss. Ihre Berufung und Bestimmung ist es, Mängel und Missstände aufzudecken und mit Weitsicht Abhilfe zu schaffen - zum Wohl, Gelingen und Gedeihen der Menschen draußen im Lande.

Um dies bewerkstelligen zu können, werden diese Entdeckungen und Erkenntnisse als Forderung formuliert. Denn Forderungen sind heutzutage nicht nur zeitgemäß. Sie wurden geradezu zu einem unerlässlicher Bestandteil politischen Handelns. Derartig fordernde Anliegen nennt man gemeinhin Initiativen. Leute, die es ehrlich meinen, sprechen allerdings von Aktionismus.

Dennoch haben diese Äußerungen ihre Berechtigung. Sie geben, um es einmal von der positiven Seite anzugehen, Lebenszeichen, signalisieren Anwesenheit und legitimieren Zuständigkeit - Weckrufe, die darauf hinweisen, dass die fordernden Damen und Herren trotz ihrer Schweigsamkeit im Parlament noch unter uns weilen und ihr Amt wahrnehmen. Jedenfalls verbal und getreu dem verpflichtenden Grundsatz, allzeit demokratisch zu denken und demoskopisch zu handeln.

Allein diese Aspekte rechtfertigen die Unentbehrlichkeit und Unerlässlichkeit, Forderungen zu erheben, auszusprechen, anzuregen, anzumahnen und, mit Dringlichkeit angereichert, einzuklagen und auszufechten.

Forderungen gehen Regenten und Opponenten derart leicht von der Zunge und flott über die Lippen, dass sich niemand mehr die Mühe macht, zu präzisieren, an welchen Adressaten sich diese Forderungen richten. Sie sind zudem so unverbindlich formuliert, dass sich keiner angesprochen fühlt.

Dazu kommt, dass Forderungen zumeist ohne die erforderlichen begleitenden Begründungen vorgebracht werden. Realisierung und Finanzierung der geforderten Projekte bleiben ebenso unerwähnt wie die möglichen Folgen und Auswirkungen, die sie anrichten, sollte es je soweit kommen, dass die vorgebrachten Ideen überhaupt verwirklicht werden.

Insofern bleiben sie ungehört und unerhört. Auch die Tatsache, dass diese so dringlich vorgebrachten Anliegen protokollarisch festgehalten werden und jederzeit nachlesbar bleiben, hält weder die fordernden Damen noch die fordernden Herren davon ab, das oftmals sehr fragwürdige Ergebnis ihrer weltmännischen und weltweiblichen Gedankenspiele dem Hohen Haus vorzutragen.

Mit anderen Worten: Forderungen sind nicht nur modern, sondern auch für den, der sie vorbringt, vollkommen ungefährlich. Kein Parlamentarier, der sich in Forderungen ausweist und ausweint, braucht sich wegen eventueller Repressalien sorgenschwere Gedanken zu machen. Wenn die vorgetragenen Ideen schon kein Gehör finden, wie sollten sie da in Erinnerung bleiben?

Fazit; Fordern ist cool, lässt aber alle kalt.

Deshalb meine Forderung, Forderungen einzustellen.

 

 Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

Kolumne >Dezember 2010 I November I Oktober I September I August I Juli I Juni I Mai I April I März I Februar I Januar 2010

Kolumnen 2009: Dezember I November I Oktober I September

August I Juli  Juni I Mai I April I März I Februar I Januar

Kolumnen 2008: Dezember I November I Oktober I September

August I Juli I Juni 2008

 

Ihre Meinung zu diesem Text ist gefragt:

redaktion@deutscher-buchmarkt.de

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL