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Adventsgedanken
Ich will nicht verschweigen,
dass ich den weit verbreiteten Unwillen teile, der das rührselige Weihnachtsfest
mit seinen friedlichen und freundlichen Bräuchen für viele Zeitgenossen zu einem
Problem macht, das mit dem zu Ende gehenden Jahr immer zudringlicher wird. Man
denke nur an die übertrieben beflissenen Beteuerungen unbegrenzten Wohlwollens,
mit denen sich die Menschen nerven; an die überspannten Gelöbnisse aufrichtiger
Zuneigung und ganz besonders an die durch die Konvention auferlegte
Verpflichtung, in aller Eile sich gegenseitig Geschenke zu besorgen, auf dass
man sich auch künftighin mit Anstand begegnen kann. Und das alles, um Leuten zu
gefallen, die man oft genug gar nicht leiden kann. Der Zwang, der zu dieser
leidigen Angewohnheit anhält, hat schon manchem die Freude an den Festtagen
gründlich verdorben.Das größte Ärgernis aber ist darauf zurückzuführen, dass
diese bürgerliche Übereinkunft nur einen Aspekt der menschlichen Natur
strapaziert und alles andere völlig außer acht lässt. Was ich vermisse, ist die
Alternative: ein im Kalender ausgewiesener Tag, der den Menschen die Möglichkeit
einräumt, ihre wahren Gefühle gegenüber Leuten, die sie nicht leiden können, zum
Ausdruck zu bringen. Den ganzen Frust und Ärger, der sich über die Monate hin
angesammelt hat, und das unendliche Unbehagen sich endlich von der Seele reden
zu können, wäre eine Wohltat für alle, die sich ihre natürlichen Gefühle zu
bewahren wissen. Dazu kommt, sozusagen als Zusatznutzen für das
gesellschaftliche Miteinander, dass auf diese Art Unehrlichkeit und
Halbherzigkeit ebenso aus der Welt zu schaffen wären wie die ganze Hektik dieser
hochgelobten und weihevollen Zeit. Ein solcher Tag ohne Verbindlichkeit, frei
von Zores und Unrat und wohltuend für alle, die sich dem Brauchtum verpflichtet
fühlen und ihrem peinlichen Reglement unterwerfen, würde der Menschheit einen
tiefen inneren Frieden bescheren, den noch so zahlreiche Geschenke und
Beteuerungen niemals verschaffen können.
Verantwortlich (c)
für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.
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