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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

 

EX HYBRIS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

April! April!

Wann der erste Aprilnarr genasführt wurde und wie alt der Aprilscherz überhaupt ist, weiß niemand zu sagen. Auch die vielen Datumsangaben, Behauptungen und Vermutungen, die bisher darüber angestellt wurden, sind keineswegs dazu angetan, hier Klarheit zu schaffen. Im Gegenteil: sie widersprechen sich nicht selten derart, dass man die eine oder andere wiederum durchaus als Aprilscherz entlarven sollte. Fest steht, dass dieser Ulk, der sich auf das launische Wetter dieses Monats bezieht und versucht, in gleicher Weise die Menschen zu narren, ab 1631 in Deutschland nachgewiesen werden kann, obwohl einige Forscher darauf bestehen, dass er vor Tausenden von Jahren bereits in Indien aufgekommen sei, als dort am ersten April das Frühjahrsfest begangen wurde.Der europäische Aprilscherz dürfte in Frankreich aufgekommen sein - im Zusammenhang mit der Kalenderreform, die Kaiser Karl IX. 1564 durchgeführt hat, indem er den Beginn des Kalenderjahres, das zunächst mit dem ersten April seinen Anfang nahm, auf den ersten Januar verlegte. Die ursprüngliche Sitte, Verwandte und Bekannte mit Neujahrsgeschenken zu erfreuen, wurde auch danach noch beibehalten und scherzhaft fortgesetzt: mit der Makrele, die damals in Massen gefangen wurde und besonders billig war. Daraus entstand der sogenannte „poisson d’avril“, der April-Fisch, den sich die Franzosen heute noch anhängen - unbemerkt wohlgemerkt, und am besten so, dass sich der ahnungslose Träger nicht erklären kann, warum alle, denen er begegnet, so schadenfroh grinsen.Nach einer anderen Legende kam es zum April-Fisch, als der Prinz von Lothringen vom französischen König Ludwig XIII. gefangengenommen und, bis das Lösegeld eintreffen sollte, auf Schloss Nancy in Haft gehalten wurde. Von dort jedoch konnte er entkommen und, nachdem er die Meurthe durchschwommen hatte, die Freiheit wiedergewinnen: ein dicker Fisch, der just am ersten April dem König von Frankreich durch die Maschen ging.Das Vorbild für den Aprilscherz glaubt man in den Narrenspielen im alten Rom zu erkennen, die sich mit den Possen und Schwänken unserer Vorfahren aus Anlass des Frühlingsfestes fortsetzten. Auch damals wurden die Mitmenschen zum Besten gehalten und ein als Winter Verkleideter mit derben Späßen und Stößen durch die Straßen getrieben.Zu den berühmtesten Aprilscherzen gehört eine Notiz des amerikanischen Schriftstellers Edgar Allan Poe, die am 1. April 1844 in der „New York Sun“ erschien und ganz Amerika narrte. Darin hieß es, dass ein lenkbarer Luftballon, der in drei Tagen von Europa aus den Atlantik überquert habe, auf der Sullivan-Insel bei Charleston in Virginia gelandet sei - eine aufsehenerregende Meldung in einer Zeit, in der eine Schiffsreise über den Ozean noch als Abenteuer galt. Die beiden mutigen Navigatoren Moran und Holland erfreuten sich, wie es weiter hießt, bester Gesundheit; ihr Ballon, der den beziehungsvollen Namen „Victoria“ trage, werde ins Nationalmuseum nach Washington überführt und dort den Besuchern vorgestellt. Vierzehn Tage lang blieb diese Notiz in den Vereinigten Staaten und in weiten Teilen Europas Gesprächsthema Nummer Eins - bis es sich nach und nach herumsprach, dass es sich lediglich um einen Aprilscherz gehandelt hatte. Edgar Allan Poe aber musste sich mehrere Wochen lang verborgen halten. Man drohte ihm Prügel an, und Polizei und Presse hatten, wenn man den schadenfrohen Berichten der anderen Zeitungen folgt, allerhand zu tun, um die genasführten und aufgebrachten Sun-Leser zu beschwichtigen. Ebenfalls in einer Zeitung, in der „Neuen Zürcher“ vom 1. April 1886, wurde der Plan einer Eisenbahnlinie veröffentlicht, die zum Jungfraujoch führen sollte. Dass es sich nur um einen Scherz handelte, hätten die Leser zumindest am Namen des Verfassers bemerken müssen: der Bericht, der sich bis in die kleinsten Einzelheiten mit dem Projekt auseinandersetzte, war mit S. Ch. Windler gekennzeichnet. Aber die Leser fielen auf die Besprechung des technisch versierten Spaßvogels herein. Zehn Jahre später allerdings wurde der Aprilscherz durch den Schweizer Eisenbahnkönig Adolf Guyer-Zeller Wirklichkeit und die Bahn zur Jungfrau hoch gebaut.Eine dritte gewaltige Zeitungsente, die am 1. April 1889 in der „Philadelphia Tribune“ erschien, berichtete in einer ungeheuer wissenschaftlichen Sprache über das Vorhaben einer neu gegründeten Gesellschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht habe, den Golfstrom von seiner natürlichen Bahn abzulenken. Die phantastische Ausarbeitung fand umso größere Beachtung, als es unmöglich war, das Ziel, das von der geheimnisvollen Vereinigung verfolgt wurde, zu erkennen. Die Abhandlung war so gehalten, dass selbst kriminelle Motive nicht ausgeschlossen werden konnten - ein Aprilscherz, der weite Kreise zog und bis zu Eingaben in Washington seine Wellen schlug.

  Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: Dr. Gerhard Fischer, Schifferstadt.

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Dr. phil. Gerhard Fischer ist Chefredakteur einer Fachzeitschrift und Autor der Bestseller 'Das Ei des Damokles' und 'Die Weisheit der Binse', verlegt bei PRINCIPAL