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'Befreiung
dank Unterjochung –
Thomas Hobbes und die Logik der Bewegung'
(Teil I)
'Reduktion
und Religionspositivismus'
Thomas Hobbes (Teil
II)
Der Mensch als Mass aller
Dinge? „Aber gern“, sagt Hobbes – „welche Dimension darf es denn sein? Denken,
Erkenntnis? Aber ich bitte Sie! Nehmen sie eine Regung, die tiefer liegt, etwas,
das Substanz hat! Darf ich Sie mit dem absoluten Gefrierpunkt aller Fantasterei,
dem Nullpunkt der Koordinaten aller Politik bekannt machen? Hier, schauen Sie,
auch in Ihnen thront der kleine König: der Selbsterhaltungstrieb.“ Diese
„naturalisierte“ Form des homo-mensura-Satzes geht über in die „verstaatlichte“
des Erhalts des Staates, sobald dieser konstituiert ist. Zwar war Hobbes
harscher Kritiker der Scholastik, zutiefst antimetaphysisch und skeptisch, aber
kein Skeptiker im klassischen Sinn der Suche nach Unerschütterlichkeit
(Ataraxia) durch Enthaltung vom Urteil (Epoché) – im Gegenteil: will die
Gesellschaft nicht in den Krieg aller gegen alle zurücksinken, muss der Staat,
durch Zensur und per Befehl, die Wahrheit festsetzen. Damit die Gesellschaft
funktioniert, muss irgendwo Schluss sein mit Diskussionen. Auf den Punkt brachte
diese prozedurale Sicht auf die Wahrheit einmal ein Richter der US-Supreme
Court: „Wir sind nicht letztinstanzlich, weil wir unfehlbar sind, sondern
unfehlbar, weil wir letztinstanzlich sind.“ Als Empiriker, der Hobbes als
Schüler Bacons war, blieben seine Überlegungen selbst in den hehrsten Sphären
geerdet. So anerkannte er zwar die Möglichkeit einer „anderen Welt“ (das tat
auch Protagoras), aber nur solange mystische Erlebnisse nicht als Rechtfertigung
zum Ungehorsam und zur Abweichung von der offiziellen Lehre benutzt werden. Nur
die in der Bibel notierten Wunder liess er – wohl eher widerwillig - gelten.
Welche Religion recht hat, zeigt das Staatssiegel. Auctoritas, non veritas facit
legem.
Angelpunkt des hobbesschen
Staatsgefüges ist der Begriff der Macht: jede Eigenschaft, die Furcht oder Liebe
erweckt, ja schon der „blosse Ruf einer solchen Eigenschaft“, ist Macht. Glück
in den eigenen Unternehmungen ist Macht, denn es erzeugt den Ruf, durch Klugheit
das Glück in seiner Gewalt zu haben - und dadurch Furcht oder Vertrauen. Hobbes
kann noch protestantischer: glückliche Umstände sind ehrenvoll, „weil man
gewöhnlich davon auf die Gunst schliesst, in der ein solcher bei Gott steht.“
Reichtum ist ehrenvoll, denn er ist ein Zeichen der Macht, ebenso Seelengrösse,
Freigebigkeit, Mut und Zutrauen, denn sie alle entstehen aus dem Bewusstsein der
Macht – die Light-Version der Megalopsychie, eingedampft auf den
Trockenrückstand bei 180 Grad. Kleinmütig ist, wer nach Dingen, die seine
Absichten (!) nur wenig fördern, sorgsam strebt oder solche, „die jene sehr
wenig hindern, ängstlich fürchtet“, grossmütig, wer auf unbedeutende Hilfsmittel
oder Hindernisse nicht achtet. Wer der Gefahr, verwundet zu werden oder eines
gewaltsamen Todes zu sterben, mit Grossmut entgegensteht, beweist Tapferkeit.
Nur noch einen Schritt, scheint es, hätte Hobbes hier wagen wollen, noch eine
Fessel ablegen, und sein wölfischer Elan wäre bei Nietzsches Bewunderung für den
rücksichtslosen Possenreisser angelangt, der einen noch im Hochseilakt von
hinten überholen möchte: man spürt bei Hobbes latent die eigene Furcht, die
Kirche allzu offen anzugreifen und ins Getriebe einer Macht zu geraten, aus der
ihn auch kein adeliger Gönner mehr hätte retten können – das wusste Hobbes. Und
Wissen ist für ihn eben auch Macht, ganz ohne jeden basisdemokratischen
Beigeschmack. Denn „Wissen kann nur von Wissenden entdeckt werden“ – eine
hermetische Selbstbezüglichkeit.
Hobbes‘ Naturrecht räumt
jedem ein Recht auf alles ein. Das Naturrecht lebt übrigens nach Konstitution
des Staates im Verhältnis der Staaten untereinander weiter – eine realistische
Sicht auf das heutige Völkerrecht, in dem Faktizität, Macht, Gewohnheit und
Souveränität rechtbildend sind. Im diesem Naturzustand inhärenten Krieg aller
gegen alle kann sich selbst der Stärkste nicht sicher fühlen. Auch ihm sitzt
ständig die Furcht eines gewaltsamen Todes im Nacken, sei es durch List oder
Komplott. Die höchste Form menschlicher Macht, die allein Frieden sichern kann,
entsteht daher aus der Verbindung vieler zu einer Person: dem Leviathan. An das
göttliche Recht, das Hobbes mehr oder weniger mit den zehn – aufgeschriebenen –
Geboten identifiziert oder dann mit dem Vernunftgebot, niemandem das anzutun,
was man sich nicht wünscht, ist auch dieser gebunden. Nur: wer garantiert, dass
er seine wölfische Natur bändigt? Wie man in Italien sagt: il lupo perde il
pelo, ma non il vizio - Der Wolf wechselt das Fell, aber nicht das Laster.
Verantwortlich (c)
für Text und Inhalt: Tommaso Manzin, Zürich.
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