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Rudolf Eucken
(1846 - 1926)
Einige Merkwürdigkeiten in der Verleihung des
Literaturnobelpreises sind schon zu konstatieren - Eucken als habilitierter
Philosoph ins Panthenon erlauchter Dichter gestellt? Wer seine Schriften kennt -
und das sind nur noch wenige -, der erahnt gleichwohl den Grund der Verleihung:
Philosophie als Geschichte der Dichtkunst zu bewerten zeigt uns gerade bei
diesem Preisträger wie beispielgebend hier die Würdigung der Kunst wohlgesetzter
Worte erfolgte.
Die Philosophie als Lehrfach neigt nur allzu
gerne zum Tabula-rasa-Machen, anders hier, denn Eucken verlor nie die
Bodenhaftung, lebte inmitten des Lebenskreises von Wirken und Ruhen. Sein Basler
Lehramt für Philosophie und Pädagogik schien es ihm angeraten sein zu
lassen, die Sprache auch faktisch den Menschen zugänglich zu machen und sie sich
nicht in reibungsarmer Metaphorik erschöpfen zu lassen. Wohl aus dieser
Grundüberzeugung heraus befehdete er auch die Lehre des Monismus, die seiner
Überzeugung nach einen Irrweg beschritt, da sie Welt und Wirkung lediglich auf
ein (abstraktes) Grundprinzip zurückführt. Sein Hauptwerk 'Sinn und Wert des
Lebens' weist darauf hin:
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Einheit und Vielfalt
'Die Natur, die uns als
Dasein umgibt, zeigt ein bloßes Nebeneinander der Elemente, einen inneren
Zusammenhang, in lauter gegenseitigen Beziehungen verläuft hier das Leben. Wo
immer dagegen geistiges Leben sich regt, da entsteht das Verlangen nach einer
Überwindung jenes Nebeneinanders und nach Herstellung eines inneren
Zusammenhanges, ja nach einem Ganzen des Lebens; alle einzelnen Hauprichtungen
der geistigen Arbeit enthalten ein Hinausstreben über einen Gegensatz und
fordern irgendwelche Einigung. So will das Streben nach Wahrheit die Spaltung
von Mensch und Seele, von Subjekt und Objekt, von Denken und Sein überwinden; so
handelt es sich beim Guten engeren Sinnes um eine Befreiung vom kleinen Ich, um
ein Durchbrechen der anfänglichen Enge und den Gewinn einer inneren
Gemeinschaft; so will auch das Schöne einen Gegensatz überbrücken, indem es
Sinnliches und Unsinnliches zu vollem Ausgleich zu bringen versucht.'
Quelle:
©
Coron Verlag
Zürich o. Jahreszahlangabe.
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So wie Rudolf Eucken unprätentiös
formulierte, so eingängig vermittelte er dem Leser sein Weltbild. Beeindruckend
mußte es in seiner konstruktiven Schlichtheit gewesen sein, denn wo Kant seine
Lehrsätze verzopfte und sie auf den ersten Blick nahezu kryptisierte, so einfach
in Diktion und Stil kam Eucken daher.
Sie der Bedeutung nach zu vergleichen
verbietet sich von selbst, denn beider Philosophen Ziele wichen stark
voneinander ab. Kant wird in Jahrhunderten nicht vergehen, Euckens Einfluß
hingegen wird eng umrissen bleiben. Er hat aber eines vermocht, nämlich sein
Denkgebäude so geradlinig zu erbauen, so ohne Schnörkel, völlig ohne
fassadenschmückende Arabesken, das es wohltut innezuhalten und sich ihm einmal
in einer ruhigen Minute zu widmen. Er vermag uns Heutigen immer noch vieles zu
lehren.
Vergessen wir hierbei aber nicht die Zeit
weltlichen Aufruhrs, die ihn beispielsweise zu seinen Schriften Grundlinien
einer neuen Lebensanschauung (1907) sowie Deutsche Freiheit. Ein Weckruf.
(1919) veranlaßten. Ihnen ist dennoch mehr Reflexionskraft eigen als die in
langen Bänden zur Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges veröffentlichte
Paralipomena. In diesem Sinne und unter dem Eindruck, daß Eucken gewissermaßen
ein philosophierender Literat oder ein literarischer Philosoph gewesen ist,
verdient er, mehr als achtzig Jahre nach seinem Tode, die angemessene Würdigung
seines Schaffens, wie es die schwedische Akademie während seiner
Schaffensperiode tat.
Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J.
Michael Baerwald, Berlin.
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