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ANTIQUARIATE

 

 

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ANTIQUARIATE

 

 

 

In memoriam

Literaturnobelpreisträger

 

 

 

 

 

 

Giosuè Carducci

(1835 - 1907)

 

Was macht einen Dichter aus? Und sollte er sein curriculum vitae, ähnlich einer Bewerbung ums höhere Lehramt (Carducci war promovierter Philosoph und hatte eine Professur für Griechisch und italienische Literatur inne) mit episodenhafter Raffinesse zu gestalten versuchen, um gereift zu erscheinen? Hätte er können, hat er aber nicht. Dabei wurde sein Rebellentum durch frühkindliche Erlebnisse geprägt, wenn man einmal davon absieht, daß menschliche Existenzen nicht dauerhaft prägbar sind, sondern jederzeit umkonditioniert werden können, das aber tut nichts zur Sache, jedenfalls nicht hier. Oder doch, sofern man ins Kalkül zieht, daß Carduccis Vater als Mitglied eines Geheimbundes abverurteilt im Gefängnis saß und der Sohn dies als Schmach empfand. Sein Sinn für Gerechtigkeit und Freiheitsdurst schulte sich an solchem Exempel - dem Mann, der dem Knaben entwuchs, dürstete somit nach Sprengung jedweder Fesseln der Konventionen. Und so kam eine Dichtung zustande, die es in sich hat. Jedenfalls für den, der sich ein Gespür für den heftigen Wind, der zwischen den Zeilen dahinfegt, zu bewahren verstand. Leicht ist dies in einer mediengewaltigen Welt des substanzlosen Radaus gewiß nicht.

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Vere novo

 

 

''Komm, o Frühling!" rufet die Sonne;

 

sie bricht aus den weißen  Wolken hervor;

 

im Blau schimmert ihr lächlender Strahl.

 

 

"Komm, o Frühling!" singet aufs neue

 

mit friedlichem Rauschen

 

In die Lüfte der Fluß zwischen den grünenden Höh'n.

 

 

In deine Augen, o reine Lalage,

 

blicket der Dichter;

 

Zu seinem Herzen aufs neu':

 

"Komme, o Frühling!" er spricht.

 

 

 

Quelle: © Coron Verlag Zürich o. Jahreszahlangabe.

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Wie man diese Strophen genießen kann, ohne daß es einen umtreibt zu ergründen, weshalb und wieso einer wie dieser Mann zu solcher Poesie gelangte, wo er doch sooo rebellisch war, so sollte man jeder Dichtung einen besonderen - heute leider kaum mehr bewahrten - Respekt entgegenbringen. Er ist die Huldigung des dichterischen Genies sui generis, denn die Schwedische Akademie würdigte in der Laudatio seinen Genius unter anderem wie folgt: 'Seine Dichtung war überaus fruchtbar, und ihr muß alle Aufmerksamkeit geschenkt werden. Ihr verdankte er seine Berühmtheit, ganz abgesehen von allen sonstigen, mit historischen und literarischen Fragen befaßten Arbeiten.'

So gewichtet, hat das Gewicht des eigenen Urteils weniger Gewicht, denn es muß sich am Vorbildhaften der Verleihung solcher Würde, wie es der Literaturnobelpreis nun einmal darstellt, orientieren. Was nicht ausschließt, Carduccis Werk zu bevorzugen oder zu vernachlässigen, es dem eigenen Gusto zuzuordnen oder es schlicht zu ignorieren. Dichter sind nicht angreifbar, sie gaben mit Vorlage ihrer Werke stets das zum Zeitpunkt der Entstehung Beste. Ob Carducci nun nach eigenem Befinden reüssierte oder nicht - seine Stimme hat gleichwohl im Klang all der Nachfolgenden immer noch jenen tenorhaften Schmelz, der vieles, aber nicht alles übertönt. In diesem Sinne: Man gedenke des Mannes, indem man sein Werk würdigt!

 

Verantwortlich (c) für Text und Inhalt: J. Michael Baerwald, Berlin.

 

 

 
 
 

 

Ad personam

 

 

J. Michael Baerwald ist Herausgeber der Buchmarkt-Portale

 

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