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Immerwährender Prolog
Hauenstein - ein Zeitgenosse,
der es in sich hat und sich nicht scheut, aus sich heraus zu gehen. Denn auf
Hauenstein trifft man nicht. Mit Hauenstein prallt man zusammen – eine
würdevolle Erscheinung von sympathischer Wohlbeleibtheit mit liebenswerten Ecken
und Kanten und nicht zuletzt ein überaus nüchterner, zuweilen bissiger
Plauderer, der mit der Gewitztheit eines Hofnarren seine Bosheiten von sich
gibt, Hauensteins Verlautbarungen sind keine Hirtenbriefe, die aufhorchen lassen
und an denen man sich aufrichten kann. Hauenstein bevorzugt vielmehr die
gebremste Normalität des Vernünftigen. Doch die unnachsichtige Beobachtung, die
er seiner Umgebung und seinen Mitmenschen antut, und seine illusionslose
Beurteilung der Welt und des Lebens sind durchaus dazu angetan, den einen oder
anderen Zeitgenossen zur Nachdenklichkeit zu verführen. Ihnen sind schließlich
auch jene Ansichten und Einsichten zu danken, die hier in zwangloser Folge
erscheinen werden: hintergründige Intermezzi, Geschichten des Augenblicks -
Kurzromane, wie sie das Leben diktiert.
Ansichtssache
Auf die Frage der männlichen Schönheit
angesprochen, verzog Hauenstein das Gesicht zu einem humorlosen Lächeln, das
fast wie ein Vorwurf war.
«Zum Glück für die Zukunft der Menschheit
misst die durchschnittliche Frau anderen Dingen eine höhere Bedeutung bei»,
sagte er und sah sein Gegenüber an, als sei dieser an seinem Aussehen schuld.
«Nehmen Sie meinen Freund Ebeling. Er ist ein
überzeugendes Beispiel dafür, dass es auf Äußerlichkeiten nicht ankommt. Nun ja:
er macht von dem männlichen Vorrecht, hässlich zu sein, wahrscheinlich einen
allzu ausschweifenden Gebrauch: Mondgesichtig, glotzäugig, dickmäulig, mit
biersattem Bauch und einer erfreulich hohen Meinung von sich selbst. Hat ihn und
mehr noch seine Ehefrau das aber davon abgehalten, eine Heirat zu riskieren und
Kinder zu zeugen?
Es kommt auf die Wertungen an, die man den
Dingen und Menschen beimisst. Denken Sie beispielsweise an das Geld. Geld ist
eine grob materielle Angelegenheit, die grundsätzlich überschätzt wird. Dennoch
gibt es viele, die es zu ihrem ausschließlichen Maßstab gemacht haben. Oder
denken Sie an den Ruhm. Ruhm ist eine eitle Illusion. Das wissen alle, die über
den Dingen stehen. Trotzdem hat auch der Ruhm seine Bewunderer. Oder nehmen Sie
den Erfolg, den Gradmesser der Menschen, die nach oben wollen, ganz nach oben
und immer höher hinaus, selbst über die Leichen ihrer Widersacher hinweg, die es
wagen, sich ihnen in den Weg zu stellen.»
Er gönnte sich eine bedeutungsschwere Pause.
Dann, abschließend, und er sah nach oben, als suche er eine Bestätigung von
höherer Warte, meinte er: «Anhaltende Befriedigung liegt nur in der Liebe.»
Und schließlich, geradezu endgültig, fügte er
hinzu: «Liebe! Wohl dem, der liebt und geliebt wird. Egal von wem und warum.
Ich, beispielsweise, liebe meinen Hund. Und ich bin mir fast sicher, dass auch
er mich zu schätzen weiß. Was darf man vom Leben mehr erwarten?»
Jede Heirat ist ein
Versprechen.
- Hauensteins
eheliche Aphorismen -
Wenn eine Ehe geschlossen wird,
gibt er seine Freiheit auf und sie ihre Hoffnung, einen Besseren zu finden.
Sein Verhältnis zu ihr und ihr
Verhältnis zu ihm stehen in keinem Verhältnis zueinander.
Eine Ehefrau, die besser ist als
keine, muss schon eine verdammt gute Ehefrau sein.
Junggesellen sind Männer, denen die Liebe
noch nicht zur Routine geworden ist.
Ein Blumenstrauß für die Ehefrau
ist oft ein Bündel Hintergedanken.
Ein Mann, der seine Frau liebt, sollte so
rücksichtsvoll sein, nur heimlich fremd zu gehen.
Was heißt Treue? Was heißt Liebe? Schließlich
hat Eva mit dem Erstbesten geschlafen, der ihr begegnet ist.
Bigamisten sind Menschen, die es mit der
Untreue total übertreiben.
Verantwortlich (c) für Text und
Inhalt Dr. Gerhard Fischer
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