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Frank Gaudlitz:
'Sonnenstrasse / La Ruta del Sol.'
Im Jahre 2010
machte sich der Fotograf Frank Gaudlitz nach Südamerika auf, um dort für Mehrere
Monate auf den Spuren Alexander von Humboldts zu reisen. Finanziell unterstützt
wurde das Projekt durch Juergen Ebeldinger, E&E AG, der im Vorwort zu diesem
schön gemachten Band schreibt, Gaudlitz schaffe es, „dass wir seinen Bildern
glauben, weil sie ehrlich und authentisch sind“.
Da ich nicht wirklich weiss, was ein ehrliches und authentisches Bild ist,
vertiefe ich mich in die in diesem Buch abgebildeten Aufnahmen und sehe
abwechselnd Landschaftsansichten in schwarz/weiss und Porträts in Farbe – mir
gefällt das Konzept.
Die Sonnenstrasse führt durch Kolumbien, Ecuador und Peru; von den Bildern
erfahren wir, wo sie aufgenomen worden sind und was sie abbilden.
Neben den
Landschaftsaufnahmen finden sich meist Auszüge aus Humboldts Reisetagebuch aus
den Jahren 1801 und 1802. Zur Besteigung des Chimborazo in Ecuador notiert er:
„Man trifft keine Indianerin an der Hauptstrasse, die nicht damit beschäftigt
ist, Baumwolle zu säubern oder zu spinnen. Und wie würde sich dieser
Industriezweig vermehren, wenn diejenigen, die arbeiten (die Indios) durch den
Genuss der Früchte ihrer Arbeit angespornt würden. Aber leider! Sie sind
Sklaven, ohne Freiheit, ohne Eigentum und ohne eigenes Werkzeug.“
Die
Porträtaufnahmen sind gestellt, die Abgebildeten setzen sich in Szene. Ein
freundliches Gesicht machen nur wenige. Hat der Fotograf den Abgebildeten
vielleicht Anweisungen gegeben, nicht zu lachen, möglichst ernst dreinzuschauen?
Die Sonnenstrasse scheint eine wenig sonnige, sondern recht triste Sache –
jedenfalls auf den Fotos von Frank Gaudlitz.
Matthias Flügge
erläutert in seinen „Anmerkungen zu den Fotografien von Frank Gaudlitz“, wie
diese zustande gekommen sind: „Wie schon zuvor hat Frank Gaudlitz auch hier
selbst oder durch Vermittlung von Begleitern Menschen um ihr Bild gebeten. Die,
die zustimmen, stellen sich vor die Kamera. Diese baut der Fotograf in einem
solchen Abstand von ihnen auf, dass sie die ganze Figur und einen gut
erkennbaren Teil des umgebenden Raumes erfasst. Gaudlitz fotografiert in
leichter Untersicht vom Stativ und schaut durch einen Schachtsucher von oben in
die Spiegelreflex-Kamera. Das heisst, er verbirgt sich nicht hinter seinem
Apparat, der Blickkontakt von Fotografiertem und Fotograf bleibt erhalten.“
Und weiter führt
Flügge aus: "Frank Gaudlitz gelingt es,ein gegenseitiges Vertrauen herzustellen,
dass es den Menschehn ermöglicht, auf den Bildern die zu sein, als die sie sich
gerne sähen. Auch wenn uns manches fremd – im Wortsinn eigentümlich – erscheint:
Die Empathie des Fotografen überträgt sich auf die Menschen, mit denen er in
Beziehung tritt."
Woher will der
Mann das bloss wissen? Sehen kann er das nämlich nicht und zeigen können das die
Aufnahmen schon gar nicht. Mit anderen Worten: Menschen, die sich fotografieren
lassen, präsentieren sich so, wie sie es wollen –und das kann was ganz anderes
sein, als es sich der Fotograf vorgestellt haben mag. Im Falle der hier
gezeigten Fotos wundert man sich (genauer: ich wundere mich), dass Menschen so
gezeigt werden wollen – wollen sie sich wirklich so sehen? Ich nehme es an und
fühle mich davon berührt. Es sind Aufnahmen, die von Vertrautheit, von
Verletzlichkeit, von Menschlichkeit geprägt sind: schön, dass es sie gibt.
Herausgegeben von
Hatje Cantz,Ostfildern 2011
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Verlag
Rezensent
©:
Hans Durrer, Sargans (CH)
Bitte beachten Sie diese interessanten Links zum Autor:
http://hansdurrer.com
http://durrer-intercultural.blogspot.com |
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Ad personam
Hans Durrer,
geboren 1953 in Grabs/Schweiz, ist Autor von "Ways of Perception: On Visual and
Intercultural Communication (White Lotus Press, Bangkok 2006), "Inszenierte
Wahrheiten. Essays über Fotografie und Medien" (Rüegger Verlag, Glarus/Chur
2011) und "Framing the World: Photography, Propaganda & the Media" (Alondra
Press, Houston 2011). Er arbeitet als Dolmetscher, Essayist und Zwölf-Schritte
Therapeut.
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